Dr. Gerhard Streminger

Dr. Gerhard Streminger

... Heide und Skeptiker

Selbstdefinition

Ich verstehe mich als Heide und Skeptiker. Ein moderner Heide orientiert sich allein am Diesseits und lebt ohne transzendente Fangnetze. Ein moderner Skeptiker ist dem wissenschaftlichen Ethos verpflichtet: Streben nach Realitätsnähe und Objektivität, Suche nach Wahrem und intersubjektiv Überprüfbarem. Da jedoch Wahrheit nie vollständig zu erreichen ist, sind Skepsis und (Selbst-)Kritik konstitutiv für ein aufgeklärtes Bewusstsein.

Entscheidende Erfahrungen

An Schlüsselerlebnisse kann ich mich nicht erinnern, allerdings merkte ich mit einigem Erstaunen, dass sich meine echtren Zuneigungen allein auf Lebewesen dieser Erde beziehen – und auf sonst gar nichts; und dass ich um Menschen, die sich nicht dem wissenschaftlichen Ethos verpflichtet fühlen, einen möglichst weiten Bogen mache.

Elitär

Nein, humanistisches Gedankengut ist nicht elitär. Wie viel sich innerhalb weniger Generationen ändern kann, zeigen doch schon die Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Und selbst dann, wenn es, wie eben jetzt,  zu Recht an Vielem Kritik geübt werden kann, so rate ich den Kulturpessimisten, sich einmal mit dem 12. oder 17. Jahrhundert und den damaligen Religionskriegen zu beschäftigen. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, vor allem bei uns, waren vielleicht überhaupt der grausigste Krieg aller an Scheußlichkeiten ohnedies schon immer reichen Kriege.

Es hat sich also Vieles zum Positiven geändert, und die Hoffnung, dass die Errungenschaften der modernen Zivilisation nicht wieder verloren gehen, sondern sich noch ausweiten und immer mehr Menschen erfassen, ruht nicht zuletzt auf den Schultern einer aufgeklärten Zivilgesellschaft samt Journalisten.

Religiöse Zwänge

Christliche Zwänge

Soweit ich sehe, spielen christliche Gebote für mich überhaupt keine Rolle. Aber ob das wirklich so ist, wäre wohl nur dann endgültig zu klären, wenn ich sehr lange in einer Gesellschaft lebte, die vom >christlichen Abendland< unberührt blieb. Da ich diese Erfahrung nicht habe, kann ich die Frage nicht eindeutig beantworten.

Konkrete Eigenerfahrungen mit Religiosität

Wunsch nach Religiösität.

Nein, diesen Wunsch verspüre ich nicht. Vielmehr erlebte ich die Existenz eines Gottes als Einschränkung meiner Freiheit, meiner Autonomie und Selbstbestimmtheit. Dies gälte selbst dann, wenn Gott tatsächlich gütig und gerecht und die Welt daher ohne die vielen Leiden und Ungerechtigkeiten wäre. Eine solche Welt wäre natürlich auch für mich besser als diese, sofern Gott weiterhin gänzlich unsichtbar und unzugänglich bliebe. Zu einer Vaterbeziehung bin ich offenbar völlig unfähig; alles geschieht hier auf einer geschwisterlichen Ebene.

 

Glaubensfreie Alternativen

Nein.

Freiheit, eigene Wünsche und Gedanken zu leben

Lust und Pflicht

Natürlich bemühe ich mich um einen Einklang zwischen Tun und Sagen. Da die Lust gegenüber dem eigenen Selbst und gegenüber Anderen zerstörerisch sein kann, bedarf es der Pflicht, die ein möglichst aggressionsfreies Verhalten fordert. Wenn ich beispielsweise nach dem dritten Glas Wein die Lust verspüre, mit dem Auto heim zu fahren, dann sollte mein Pflichtgefühl dies verbieten. Wenn ich über ein solches Pflichtgefühl aber nicht verfüge, dann sind es hoffentlich Freunde oder die Vertreter des Staates, die die Autoschlüssel verstecken und mich an einem solchen Verhalten hindern oder es sanktionieren, wenn es tatsächlich geschieht.

 

Zusammenhang zwischen Humanismus und Aufklärung

Der Humanismus ging im christlichen Abendland der Aufklärung voran. Vor allem in Italien suchten einige kluge Köpfe nach einer Alternative zum nicht immer umwerfend attraktiven Christentum und interessierten sich für die Antike, für die Hochschätzung der Vernunft, für Ausgewogenheit und Balance, für das Diesseits, wo es >dem geringsten Tagelöhner besser ergeht als dem König der Unterwelt<. Diesem Lebensgefühl entspross Wissenschaft und Aufklärung – und ein echtes Verantwortungsgefühl, da es niemanden mehr gibt, dem man sein Schicksal überantworten oder den man für seine Wünsche verantwortlich machen kann.

Praktischer Humanismus

Ich versuche als erstes immer zu verstehen, aber sage dann, wenn gefragt (oder auch nicht), ehrlich meine religionskritische Meinung.

Selbstbestimmtes Leben und selbstbestimmtes Sterben

Natürlich gehören selbst bestimmtes Leben und selbst bestimmtes Lebensende zusammen. Ich frage mich oft, was Menschen motiviert, andere am selbst bestimmten Sterben zu hindern, anstatt ihnen beizustehen.

Was schadet der Gesellschaft aktuell am meisten

Hansi Hinterseer und Michael Ballack.

Stille bzw. unbekannte Humanisten

Man sollte ein Denkmal für die sozialen Trümmerfrauen errichten, die – trotz alledem – nicht aufgeben, sondern immer noch versuchen, das Beste aus einer schwierigen Situation zu machen. Natürlich gibt es darunter auch viele Männer, aber zumeist sind es Frauen.

 

Humanismus und Spiritualität

Nein, nein. Humanisten benötigen keine Orte der Spiritualität, wohl aber Phasen des Nachdenkens und des einfach so Dahindösens. Platz dafür findet sich fast überall: in der Wartehalle auf einem Flughafen, auf einer Sitzbank vor einem Atomkraftwerk, unter einer Laube in der Toskana die Fülle des Daseins genießend … oder auf einer Unitoilette.

 

 

Zukunft und Wünsche

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Antworten © Dr. Gerhard Streminger
„Epikurs Garten” - „Who is Hu” - Gesichter gegenwärtiger Humanisten © Evelin Frerk (425)

Epikurs Garten - Dr. Gerhard Streminger