Michael Rux

Michael Rux          Fotografie © evelin Frerk. 

 

2015-06-010: Michael Rux zur "Suizidbeihilfe"und der von 10 MdB's und eingeforderten Veränderung zur "!Strafbarkeit" im Falle einer Beihilfe: 

 

"Wir wollen nicht zurück ins Mittelalter

Der Gesetzentwurf zur „Sterbehilfe“, den Herr Brand von der CDU und Frau Griese von der SPD zusammen mit ihren ebenfalls stramm religiös orientierten Gesinnungsgenossen aus den anderen Fraktionen präsentieren, ist ein Anschlag auf das Selbstbestimmungsrecht des Menschen. Brand und Griese möchten am liebsten zu den Zeiten zurückkehren, als der „Selbstmörder“ außerhalb des Friedhofs verscharrt werden musste und als ins Zuchthaus kam, wer ihm Beistand leistete.

Nach der gegenwärtige Rechtslage stehen weder die Selbsttötung (Suizid) noch die Beihilfe zum Suizid unter Strafe. Brand und Griese wollen diese hart erkämpfte Errungenschaft der Aufklärung ändern. Sie wollen den Ärztinnen und Ärzten das Recht nehmen, Menschen nach ihrer eigenen freien Entscheidung Beistand zu leisten, wenn diese ihr unerträglich gewordenes Leben beenden wollen. Sie schüren billige Vorurteile und wollen ihre eigenen religiösen Vorstellungen zum Maßstab für alle machen. Brand und Griese missachten die Würde und sie negieren das Leid jener Menschen,

–    die an den Folgen eines Unfalls leiden und ein langes, zur völligen Hilflosigkeit führendes Siechtum vermeiden wollen (ein Beispiel ist der frühere MDR-Intendant Udo Reiter, der sich nach jahrzehntelangem Leben im Rollstuhl erschoss),

–    die dem Verdämmern in einer altersbedingten Demenz entgehen wollen (ein Beispiel ist Walter Jens, der sich töten wollte, dem es aber wegen seiner fortgeschrittenen Demenz nicht mehr gelang),

–    die aus dem Leben scheiden wollen, bevor die schwersten Folgen ihrer Erkrankung noch nicht eingetreten, sondern lediglich vorhersehbar sind (ein Beispiel ist der katholische Theologe Hans Küng, der an Parkinson und einer Makula-Degeneration leidet und mit ärztlicher Hilfe selbstbestimmt aus dem Leben scheiden möchte, bevor er völlig bewegungs- und artikulationsunfähig und total erblindet ist),

–    die am Ende eines erfüllten Lebens ihr Dasein beenden wollen, weil sie des Lebens müde sind oder weil sie nichts mehr haben, das ihrem Leben einen Sinn gibt („Bilanz-Suizid“).

Diese Menschen haben ein Recht auf Hilfe, damit sie keinen „harten Suizid“ vollziehen müssen, auf grausame Weise wie Erhängen, Vergiften, Erschießen, Sturz aus großer Höhe usw., oder gar Unbeteiligte schrecklich belasten, beispielsweise einen Lokführer. Es ist für Privatpersonen jedoch sehr schwierig bis unmöglich, sich geeignete Mittel zur Selbsterlösung zu verschaffen, beispielsweise Medikamente, die in hoher Dosis tödlich wirken. Sie sind deshalb auf Ärztinnen und Ärzte bzw. auf Einzelpersonen oder Vereinigungen angewiesen, die sie beraten und ihnen den Zugang zu solchen Mitteln verschaffen bzw. zur ärztlichen Assistenz beim Suizid verhelfen.

Es gibt weder Anlass noch Notwendigkeit, die Arbeit von Selbsthilfe- oder Bürgerrechtsorganisationen einzuschränken, die sterbewilligen Menschen Beistand leisten. Das geltende Strafrecht reicht zu Verhinderung bzw. Sanktionierung von Missbrauch aus.

Wir wollen nicht zurück ins Mittelalter."

Michael Rux, Freiburg

..........

Michael Rux, geboren 1941, war Lehrer und – seinerzeit als erster bekennender Nicht-Christ –

Rektor einer Christlichen Gemeinschaftsschule.

Der Schwerpunkt seiner (politischen) Arbeit lag und liegt in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW),

in der er auf Bundes- und Landesebene (Baden-Württemberg) eine Vielzahl von Ehren-Ämtern bekleidete, von der

Mitgliedschaft im Geschäftsführenden Bundesvorstand über den stellvertreten-den Landesvorsitz bis hin zu seiner

heutigen Funktion als Leiter des Fachbereichs Seniorenpolitik.

Er gibt seit über 30 Jahren das „Jahrbuch“ der GEW Baden-Württemberg heraus, ein Standardwerk des

Schul- und Dienstrechts. Ein Interessenschwerpunkt ist das Verhältnis der öffentlichen Schule zur Religion bzw.

von Staat und Kirche(n) im Bildungswesen. Michael Rux ist Mitgründer der Evolutionären Humanisten Freiburg, 

ebenso Mitbegründer der  Laizist/innen in der SPD und Sprecher auf Bundesebene.

 

Über sich selbst schreibt er:

"Eigentlich hatte ich gar nicht vor, einem „Atheisten-Verein“ beizutreten. Ich habe ein Leben lang selbstständig,

auf eigene Faust den ganz gewöhnlichen Atheismus gepflegt, den ich aus meinem Elternhaus kannte und den i

ch für „normal“ halte: Es gibt keinen Gott, also muss man sich auch nicht den Kopf über ihn zerbrechen.

Nachdenken muss man über Gut und Böse, über Recht und Unrecht, über Wahr und Unwahr, über Richtig und Falsch.

Zwar habe ich mich immer sehr dafür interessiert, was meine Mitmenschen so alles glauben und in ihre

heiligen Schriften geschaut. Aber kapiert habe ich nie, dass jemand nicht ganz einfach des-halb Gutes tut,

weil es gut ist, sondern dass er auf ein höheres Wesen warten muss, das ihm die Richtung weist.

Wenn’s ihnen dabei hilft, Gutes zu tun, warum nicht? Und wenn sie ein Gott in ihrem privaten oder im

allgemeinen Elend tröstet, dann sei’s ihnen gegönnt. Da ha-ben diese Mitmenschen es vielleicht sogar

besser als ein Rationalist wie ich. Deswegen habe ich auch prinzipiell nichts gegen Religionen oder Gläubige

(vor allem nichts gegen friedliche und friedliebende), ich frage nur kritisch nach, was sie auf solche Gedanken

bringt und was sie im Namen ihres Glaubens anstellen.

Was mich aber auf die Palme bringen kann (und zunehmend bringt) ist die unerhörte An-maßung,

mit denen die Vertreter heiliger Lehren oder eingetragener Körperschaften des öffentlichen Rechts

„Glaubenswahrheiten“ für allein seligmachend erklären und mir und allen anderen „Ungläubigen“

das Recht absprechen, zu einer eigenen, Gott-losen Mei-nung und Moral zu kommen. Im Namen ihrer

heiligen Religion haben diese Heuchler jahrhundertelang die Andersdenkenden als Ketzer verbrannt

und bis ins letzte Jahrhundert hinein das Bündnis von Thron und Altar gepredigt

(fast alle Kriege wurden im Namen Gottes geführt) – und heute preisen sie sich selbst als die Erfinder

von Frieden, Demokratie, Moral und Humanität an. Dabei musste das alles unter großen Opfern gegen

sie erkämpft werden! Das alte Bündnis von Thron und Altar lebt in unserem heutigen Staat fort in einer

unglaublichen Privilegierung der großen Kirchen und ihrer – sorgfältig kaschierten – Finanzierung aus

den öffentlichen Kassen, also auch aus meinen Steuern.

Ich will von keiner Religion und keinen Religionsfürsten bevormundet werden.

Ich will eine klare, vollständige Trennung von Staat und Religion.

Das heißt auch, dass jede Form von Religion und Religionsausübung aus den öffentlichen Schulen verschwinden muss.

Religion ist Privatsache.

Wenn man dafür öffentlich, im politischen Raum eintreten will, dann muss man sich mit anderen zusammentun.

Allein geht das nicht oder es bleibt wirkungslos."