Dr. Gisela Notz

Notz, Gisela          Fotografie Fotocredit © Evelin Frerk.
 
Dr. Gisela Notz, Sozialwissenschaftlerin, Historikerin, Mitglied im Arbeitskreis Frauengesundheit, Beirätin Giordano Bruno Stiftung seit 2006,
2004 bis 2010 Bundesvorsitzende von pro familia, 2021 Mitglied des Kuratoriums beim Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg;

Das Abgeordnetenhaus von Berlin ehrt Gisela Notz mit der Louise-Schroeder-Medaille für ihr langjähriges Engagement für Menschenrechte, Gleichberechtigung und sexuelle Selbstbestimmung https://www.gisela-notz.de/biografie/

https://de.wikipedia.org/wiki/Gisela_Notz

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Aktuelles 

2024-12-07 Berlin und Karlsruhe - Demonstration zur Legalisierung von Abteibungen - rund 100 Organisationen, Vereine und Verbände hatten aufgerufen. Im Berlin sprach Gisela Notz vor rund 4.500 Menschen zur Forderung

 

Notz 7-12-2024

 

 "Wir kämpfen weiter für die ersatzlose Streichung des § 218, der seit 1871 im deutschen Strafgesetzbuch steht. Mit dem Slogan „Dein Bauch gehört dir“ stritten Frauen schon um die Jahrhundertwende für die Freigabe des Abbruchs. Sie wussten, dass restriktive Gesetze nicht dazu führen, dass weniger Schwangerschaften abgebrochen werden, sondern dass der illegale Abbruch zum lebensgefährlichen Risiko wird, vor allem für arme Frauen; vermögende Schwangere fanden immer einen Arzt. Der Abtreibungsparagraf war immer ein Klassenparagraf. Das Strafrecht bestrafte Frauen als Verantwortliche, während die Ehegesetze sie zu rechtlosen Objekten machten, denn die Verweigerung der „ehelichen Pflichten“, dazu gehörte der Geschlechtsverkehr, waren bis 1953 ein Scheidungsgrund und Ehemänner durften ihre Frauen in der BRD bis 1997 straflos vergewaltigen. 

Der Bund Deutscher Frauenvereine schlug 1909 mit einer Petition Straffreiheit und eine Fristenlösung (ohne Zwangsberatung) vor. Erfolg hatte er bei den im Reichstag vertretenen Herren nicht. Schon damals wurde der Geburtenrückgang beklagt. Der Kaiser brauchte Soldaten. Sexualpolitik, Familienpolitik, Militärpolitik und Bevölkerungspolitik waren immer eng verbunden. Die AbtreibungsgegnerInnen beriefen sich schon immer auf den christlichen ›Gott im Himmel‹, der allein über Geburt und Tod entscheiden könne. Wir sagen: Kirche raus aus den Gebärmüttern! Auch jedes Kind hat das Recht, erwünscht zu sein!

Obwohl seit 1920 Frauen im Reichstag saßen und trotz der massenhaften Proteste unter dem Motto »Dein Bauch gehört dir« die sich gegen die Klassenjustiz richteten, konnten die damals linken Parteien mit verschiedenen Gesetzentwürfen zur Liberalisierung bzw. Streichung des § 218 StGB keine Mehrheit erzielen. Lediglich die Zuchthausstrafe wurde 1926 in Gefängnisstrafe umgewandelt. Die Abtreibungsgegner*innen in den waren mächtiger; und die Sozialist*innen waren sich nicht einig. Das darf nicht wieder passieren. Die Nazi-Faschisten verboten und erzwangen die Abtreibung. Abtreibung, die die Fortpflanzung von nach ihrer Ansicht ›minderwertigen Volksgruppen‹ verhinderte, blieb straflos oder wurde erzwungen. Für den Fall, dass »die Lebenskraft des deutschen Volkes« beeinträchtigt wurde, galt ab 1943 die Todesstrafe. Es ging um rassenbiologische Geburtenkontrolle an der konservative Ärztinnen eifrig mitarbeiteten. Das darf nie wieder geschehen! In der BRD galt nach 1949 der in den 1920er Jahren geringfügig geänderte § 218 und der Nazi-§219a blieb bestehen. In der DDR wurde 1972 gegen die Stimmen der dortigen CDU die Fristenlösung ohne Zwangsberatung eingeführt. Der Ruf Neuen Frauenbewegung in der BRD »Mein Bauch gehört mir!« wurde von scharfen Protesten der Konservativen und der Kirchen begleitet. Nach der Wiedervereinigung 1990 fand trotz lautstarker Proteste die Übernahme der DDR-Fristenlösung für die BRD keine Mehrheit. Abtreibung ist bis heute ein Straftatbestand und ist nur unter strengen Bedingungen und nach Zwangsberatung und Bedenkzeit straffrei. Dass die DDR-Frauen diese Entmündigung schlucken mussten ist ein Skandal! 

Wir sagen:

Ersatzlose Streichung des § 218 aus dem Strafgesetzbuch, weg mit der Zwangsberatung, stattdessen freiwillige ideologiefreie Beratung, vollständige Kostenübernahme, Abtreibung ist Teil der Gesundheitsversorgung und kann nicht mit Verweis auf eine höhere Macht im Himmel von Gesundheitsexpert*innen und Ärzt*innen abgelehnt werden.

Wir fordern, dass das grundlegende Menschenrecht auf sexuelle Selbstbestimmung und reproduktive Gerechtigkeit für alle, die schwanger werden können, verwirklicht werden. Dafür kämpfen wir weiter." 

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2024 - 2025 Veröffentlichungen

  • Der neue Wegbreiterinnen Kalender 2025 – Hrsg. Wegbereiterinnen XXIII, Neu-Ulm: AG SPAK Bücher,DIN A 3-Format, 12 Wegbereiterinnen der emanzipatorischen Frauenbewegung. € 16,50;
    Wegbereiterinnen 2025 sind:
    Lilly Becher (1901–1978) 
    Antifaschistin, Journalistin und Publizistin, Stadtteilkomitee Neukölln, Berlin);Irena Bobowska (1920–1942)
     Dichterin und Malerin aus Posen, ermordet von NS-Faschisten , Anna Krenz, Berlin);
    Tony Breitscheid (1878–1968
    Kämpfte für das allgemeine Wahlrecht, überlebte das KZ Buchenwald schwer verletzt,  Gisela Notz, Berlin; 
    Billy Holyday (1915–1959)
    Eine der größten Sängerinnen ihrer Zeit, Victor Grossman, Berlin; 
    Nadina Hwang (1902–1972) 
    Lesbische Widerstandskämpferin und KZ-Überlebende, Inga Höfer, Heidesee;
    Emmy Noether (1882–1935) 
    Mutter der modernen Algebra“ – trotz aller gesellschaftlichen Hindernisse, Bernd F. Gruschwitz, Bremen) 
    Emma Sachse (1887–1965) Sozialpolitikerin und Landtagsabgeordnete, Heike Stange, Berlin;
    Klara Schabbel (1894–1943) 
    Widerstandskämpferin der Roten Kapelle, ermordet in Plötzensee , Brigitte Walz-Richter, Radolfzell; 
    Tarabai Shinde (1850–1910)
    Eine der ersten indischen Feministin-nen und Schriftstellerinnen, Jürgen Weber, Berlin);
    Beate Sirota (1923–2012)
    Die richtige Frau am richtigen Ort, Maria S. Rerrich, München;
    Bartolina Sisa (1750 /1753?–1782) 
    Indigene Landfrau in Bolivien, hingerichtet von den Spaniern,(Hella Hertzfeldt, Berlin);
    Hildegard Wegscheider (1871–1953) 
    Schulreformerin, kämpfte für ArbeiterInnenbildung, Luise Wegscheider, Berlin .
     
  • Kritik des Familismus, Stuttgart, Schmetterling, theorie org. , 2024,2. überarbeitete Aufl. € 15,-;
  • August Bebel oder Der revolutionäre Sozialdemokrat, Hrsg. Berlin, Dietz Verlag 2023. € 12,-;
  • Theorien alternativer Wirtschaft, Stuttgart: Schmetterling, theorie.org. 2022, 3. stark überarbeitete Aufl.15 €;
  • Genossenschaften. Geschichte, Aktualität und Renaissance, Stuttgart: Schmetterling 2022, 2. aktualisierte Aufl. € 19,80;
  • Wegbereiterinnen. Berühmte, bekannte und zu Unrecht vergessene Frauen aus der Geschichte, Hrsg., 
    Neu-Ulm: AG SPAK Bücher 2020, 3. Aufl. € 24,-.

Alle Veröffentlichungen in jeder Buchhandlung.

Gisela Notz

 

Gisela Notz wurde 1942 in Schweinfurt am Main geboren. Sie absolvierte ein Studium der Industriesoziologie, Arbeitspsychologie und Erwachsenenbildung in Berlin und promovierte zum Dr. phil. an der TU-Berlin. Seit 1979 war sie als wissenschaftliche Referentin in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Dort war sie zunächst in der Abteilung Arbeitskräfteforschung und später in der Arbeits- und Sozialforschung tätig. Notz war zudem von 1983 - 1998 Mit-Redakteurin der Zeitschrift "beiträge zur feministischen theorie und praxis". Auch war sie seit 1978 als Lehrbeauftragte an den Universitäten TU Berlin, Hannover, Marburg, Essen, FH Jena tätig. Im Wintersemester 1994/95 und im Sommersemester 1995 vertrat sie eine Professur in Soziologie an der Universität GH Essen. Im Sommersemester 2000 war sie als key-professor an der Internationalen Frauenuniversität in Hannover tätig.
Gisela Notz war viele Jahre lang Vorsitzende des Bundesverbands von pro familia (Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V.).
Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Leitung und Bearbeitung von Forschungsprojekten zur Humanisierung des Arbeitslebens, Beruflichen Aus- und Weiterbildung, sozialen Kompetenz, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Struktur- und Regionalpolitik und historische Frauenforschung.

Veröffentlichungen (Auswahl):

  • Feminismus, 2011
     
  • Theorien alternativen Wirtschaftens, Fenster in eine andere Welt, 2010 (3. Auflage), Schmetterling Verlag.
    ABI - August Bebel Institut lädt zum Vortrag von Gisela Notz ein: "Gibt es eine richtige Ökonomie im Falschen? Zum Auftakt einer Reihe in der die kleinen, grundlegenden und allgemeinverständlichen Bände "theorie.org" diskutiert werden, stellt Gisela Notz ihr Buch vor. Ihre Einführung liefert eine überschaubare Darstellung exemplarischer Theorien alternativen Wirtschaftens jenseits des Kasino-Kapitalismus und ihrer Umsetzung in die Praxis. Aufgegriffen werden die Ansätze aus der Genossenschaftsbewegung, der Alternativbewegung der 1970er Jahre, der Ökonomie des Gemeinwesens, der Kommunalen Gemeinschaftsgärten u. v. m. Sind das Vorboten einer besseren Welt oder bloße Inseln des Besseren ohne Zukunft? Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem Schmetterling Verlag.
     
  • Familien. Lebensformen zwischen Tradition und Utopie, 2003
     
  • Die neuen Freiwilligen: Das Ehrenamt - Eine Antwort auf die Krise?, 1999 (2. Auflage)
     

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