Dr. Fiona Lorenz
Dr. Fiona Lorenz Fotografie © evelinFrerk.
Sozialwissenschaftlerin, Autorin, Übersetzerin - Beirätin der Giordano Bruno Stiftung, Humanistischder Pressediens
Fiona Lorenz
„Das Leben ist ungerecht, aber schön“
Die Humanistin und gbs-Beirätin Fiona Lorenz starb mit 51 Jahren in Potsdam.
Mehr als dreizehn Jahre hat sie gegen die immer wieder neu auftretenden Tumore in ihrem Körper angekämpft, am Dienstagmorgen ist die Sozialwissenschaftlerin und Autorin Fiona Lorenz im Alter von 51 Jahren in Potsdam gestorben.
Ein Nachruf von Michael Schmidt-Salomon.
"Mit kaum jemandem habe ich so viel diskutiert, gefeiert und durchlitten. Fiona war nicht nur eine meiner besten Freundinnen, sondern zählte auch zu meinen wichtigsten intellektuellen Weggefährtinnen. Sie hat jedes meiner Bücher vorab gelesen und mit klugen Ratschlägen verbessert. Noch eine Woche vor ihrem Tod, als das Ende bereits absehbar war, fand sie die Kraft, ein neues Buchmanuskript zu korrigieren, das in den nächsten Monaten erscheinen wird. Ich habe kaum einen Menschen getroffen, der so tapfer, so mutig, so engagiert war wie sie. Fiona ließ sich nicht unterkriegen, auch wenn ihr das Leben übel mitspielte, was leider oft der Fall war. Ihr phänomenales Durchhaltevermögen, ihren unbedingten Willen zum aufrechten Gang, habe ich stets bewundert.

Fiona Lorenz 20.08.1962 - 29.07.2014 - Januar 2008 fotografiert von Evelin Frerk
Wir hatten uns vor 25 Jahren während des Studiums kennengelernt und merkten schnell, dass wir auf einer Wellenlänge lagen. Schon nach wenigen Wochen gründeten wir einen philosophischen Gesprächskreis, in dem wir über Kant, Nietzsche, Schopenhauer, Einstein oder Freud diskutierten. Wenig später organisierten wir mit dem „Trierer Institut für angewandtes Denken“ ein vielbeachtetes Symposium zum 175. Geburtstag von Karl Marx. Fiona war auch dabei, als wir mit dem „Büro für ungewöhnliche Maßnahmen“ abstrakte Themen wie „soziale Gerechtigkeit“ oder „Bürgerpartizipation“ auf die Straße brachten. Nur mit dem Thema „Religionskritik“ konnte sie zunächst wenig anfangen. Da sie sich schon in ihrer Kindheit von sämtlichen religiösen Vorstellungen befreit hatte, war es für sie schlicht unvorstellbar, dass erwachsene Menschen Glaubensüberzeugungen folgen könnten, die so offenkundig gegen alle Vernunft verstoßen.
Mitte der 2000er Jahre erkannte sie jedoch, dass sie unzulässig von sich auf andere geschlossen hatte. Innerhalb kürzester Zeit arbeitete sie sich in die religionskritische Literatur ein. Ab 2005 engagierte sie sich in der Giordano-Bruno-Stiftung, 2007 zählte sie zu den ersten Redakteurinnen des Humanistischen Pressedienstes, 2009 übernahm sie dort die Funktion der stellvertretenden Chefredakteurin. Im gleichen Jahr brachte sie im Rowohlt-Verlag das Buch „Wozu brauche ich einen Gott? Gespräche mit Abtrünnigen und Ungläubigen“ heraus, zu dem Ralf König die Illustrationen beisteuerte. Neben ihrer Tätigkeit im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung war Fiona Mitbegründerin des Humanistischen Verbands Rheinland-Pfalz, der Luxemburger Allianz der Humanisten, Atheisten und Agnostiker, aktives Mitglied der gbs-Regionalgruppe Trier und, nach ihrem Umzug nach Potsdam, der evolutionären Humanisten Berlin-Brandenburg.
In gewisser Hinsicht hatte Fiona Glück gehabt: Sie hatte eine wunderbare Ausstrahlung, einen messerscharfen Verstand, vielseitige Talente und großen Mut, Neues zu wagen. Ich erinnere mich gut daran, wie sie 2006 als Regisseurin eine beeindruckende Inszenierung der „Vagina-Monologe“ auf die Bühne brachte, ohne zuvor Erfahrungen in der Theaterarbeit gesammelt zu haben. Fünf Jahre zuvor hatte sich allerdings schon ein Schatten über ihr Leben gelegt, den sie nie wieder loswerden sollte. Mit 38 Jahren wurde Brustkrebs bei ihr diagnostiziert, es folgten die erste OP und Chemotherapie. Drei Jahre später erkannten die Ärzte eine Aderhautmetastase, einen besonders aggressiven Tumor, der bei vielen Patienten zu einem raschen Tod führt. Fiona aber überlebte.
2009 erzählte sie mir am Telefon von einer erschütternden neuen Diagnose ihres Arztes: Die Tumore hatten sich in ihrem gesamten Körper ausgebreitet. „Das Leben ist ungerecht, aber schön!“, sagte sie damals. Der Satz hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt und ich habe ihn später auch in mein Buch „Hoffnung Mensch“ aufgenommen. Als Liebhaberin qualitativ hochwertiger Fernsehserien begann Fiona nun, ihre Chemotherapien in Staffeln und Episoden einzuteilen. Am Schluss war sie bei Staffel 16 angelangt.
In einem Zustand, in dem die allermeisten Menschen nur noch im Bett liegen, raffte sie sich zu einer Bahnreise auf, um ihre jüngste Tochter Lilias (die „Susie Neunmalklug“ aus dem gleichnamigen gbs-Video) ein letztes Mal zu besuchen. Danach waren ihre Kräfte aufgebraucht. Ihre Tochter Merle, ihre beste Freundin und ich begleiteten sie in den letzten Stunden. Fiona starb ebenso tapfer und aufrecht, wie sie gelebt hatte. Wir werden sie nie vergessen."
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Fiona Lorenz Veröffentlichungen - Auswahl Bücher - Veranstaltungen
- 2014 hat der Tod die lange Krankheit von Fiona Lorenz beendet. Erschienen ist als eBook der Blog, den sie in den letzten Monaten ihres Lebens führte:
Fiona Lorenz - Der Schlaf - Sie legte sich mal hin, um eine Runde zu schlafen. Die Runde dauert eine Ewigkeit:´;
erschienen http://mikrogeschichten.de | 2026-10-07 Anmerkung eF: Diese Domaine ist zum Kauf angeboten.- "Letzten Sonntag war das Leben schön", Verlag für Kurzes, ISBN 978-3-942794-23-7
- Wozu brauche ich einen Gott? Gespräche mit Abtrünnigen und Ungläubigen“,
illustriert von Ralf König, Rowohlt: 2009Für viele Menschen scheint ein Leben ohne Gott, Religion und Kirche unvorstellbar. Andere glauben "eigentlich" nicht mehr an Gott, heiraten aber dennoch kirchlich oder bleiben vorsichtshalber Mitglied der Kirche, um einen eventuellen Schicksal in der Hölle zu entgehen oder um soziale und ökonomische Nachteile zu vermeiden, wenn sie in kirchlichen Kindergärten oder Krankenhäuser angestellt sind. Auch in den Medien erhalten die Vertreter der Kirche viel Raum, obwohl es in Deutschland mittlerweile mehr Konfessionsfreie als Menschen mit einer Religionszugehörigkeit gibt. Fiona Lorenz hat sich auf die Spuren der Religionskritiker gemacht und zahlreiche Interviews mit Atheisten, Zweiflern und Agnostikern geführt: mit Prominente wie Janosch, Ralf König, Mina Ahadi und Nina Vorbrodt und "normalen" Menschen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen gegen den Glauben aussprechen. Das Ergebnis ist ein intensiver, persönlicher Blick auf die Gründe für die Abkehr von Kirche und Religion. Es soll Mut machen, sich zum eigenen Unglauben zu bekennen, und zeigen, dass es nicht nötig ist, an Gott zu glauben, um ein sinnerfülltes Leben zu führen.
- Talkshow: ZDF, 0:15 Uhr: „Streitgespräch Religion“, Moderation Gert Scobel, Sendung vom 22.05.08;
- Talkshow: SWR3, Nachcafé: „Religion und Glauben – reiner Selbstbetrug?“, Moderation Wieland Backes, Sendung vom 10.10.08;
- Hörfunksendung „Fragen an die Autorin/den Autor“. Sendung vom 08.03.09;
- Humanistischer Pressedienst - hpd.de, Mitglied der Redaktion https://hpd.de/suche?search_api_fulltext=Fiona+Lorenz
u. a. zur Depenalisierung der Sterbehilfe in Luxemburg, zum Zentralrat der Ex-Muslime, verschiedene Veranstaltungsberichte, Rezensionen und Interviews mit Bas Kast, Mina Ahadi und Ralf König;- https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=129192481
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Fiona Lorenz wurde 1962 in Berlin geboren. Nach einem Studium der Anglistik/Amerikanistik und Japanologie in Marburg erfolgte eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin. Von 1988 bis 1994 studierte sie Eriehungswissenschaften in Trier. Nach einer Reihe von wissenschaftlichen Tätigkeiten promovierte sie 2003 im Fach Pädagogik an der Universität Trier. Von 2002 – 2005 war sie selbständig in einer eigenen Praxis im Bereich Coaching und Therapie. Seit 2007 ist Lorenz Redakteurin des Humanistischen Pressedienstes, seit 2009 stellvertretende Redaktionsleiterin.
Website:
http://www.fionalorenz.de/ - Anmerkung 2026-10-17 ef: aktuell nicht erreichbar.
https://de.everybodywiki.com/Fiona_Lorenz#google_vignette
Berlin, 2012 - 2015 | 2026-10-17 eF.
Für viele Menschen scheint ein Leben ohne Gott, Religion und Kirche unvorstellbar. Andere glauben "eigentlich" nicht mehr an Gott, heiraten aber dennoch kirchlich oder bleiben vorsichtshalber Mitglied der Kirche, um einen eventuellen Schicksal in der Hölle zu entgehen oder um soziale und ökonomische Nachteile zu vermeiden, wenn sie in kirchlichen Kindergärten oder Krankenhäuser angestellt sind. Auch in den Medien erhalten die Vertreter der Kirche viel Raum, obwohl es in Deutschland mittlerweile mehr Konfessionsfreie als Menschen mit einer Religionszugehörigkeit gibt. Fiona Lorenz hat sich auf die Spuren der Religionskritiker gemacht und zahlreiche Interviews mit Atheisten, Zweiflern und Agnostikern geführt: mit Prominente wie Janosch, Ralf König, Mina Ahadi und Nina Vorbrodt und "normalen" Menschen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen gegen den Glauben aussprechen. Das Ergebnis ist ein intensiver, persönlicher Blick auf die Gründe für die Abkehr von Kirche und Religion. Es soll Mut machen, sich zum eigenen Unglauben zu bekennen, und zeigen, dass es nicht nötig ist, an Gott zu glauben, um ein sinnerfülltes Leben zu führen.