Hildegard Fischer
Hildegard Fischer Fotografie - Fotocredit - Copyright - Evelin Frerk.
Hildegard Fischer
"Als Kind war ich gläubig und fromm. Katholisch erzogen, beachtete ich alle Regeln und „sündigte“ nicht.
Im Alter von 16 hatte ich den ersten sexuellen Kontakt zum anderen Geschlecht. Dies galt als Sünde. Sünden musste man beichten, man musste sie bereuen und versprechen, nicht mehr entsprechend zu sündigen. Das konnte ich nicht. Das wars dann mit dem Glauben bei mir.
Ich bin Atheistin. Mit 21 bin ich aus der Kirche ausgetreten. Im Jahr 1990 wurde ich aufgefordert, meinen Kirchenaustritt nachzuweisen, da man mich für kirchensteuerpflichtig erklären wollte. Ich hatte allerdings meine Austrittsbescheinigung noch. Für mich war sie ein wichtiges Dokument. Selbstbestimmtes Leben und selbstbestimmtes Sterben? Diese Rechte sind für mich selbstverständlich.
Meine Töchter haben mit 14 an einer Jugendfeier teilgenommen. Ich hielt eine Art Initiationsritus für legitim. Das ganze wurde vom humanistischen Verband vorbereitet und durchgeführt und war durchaus feierlich. Wir haben anschließend mit Freunden ein schönes privates Fest gefeiert und die Kinder galten als erwachsen (was sie noch lange nicht waren).
Als Grundschullehrerin habe ich dann an meiner Schule dafür gesorgt, dass Lebenskunde angeboten wurde. Im ersten Jahr habe ich das Fach als einzige unterrichtet, klassenübergreifend in Klasse 3 und 4. Die Schüler waren interessiert und arbeiteten gut mit. Ich hoffe, dass ich sie wenigstens eine guten Portion Skepsis von mir mitbekommen haben. Das Fach Lebenskunde war an meiner Schule fortan etabliert. Ich wurde wieder in meinen Fächern eingesetzt und der humanistische Verband stattete meine Schule mit Lebenskundelehrern aus.
Es liegt mir nicht, zu missionieren. Ich bin nicht spirituell. Ich bin pragmatisch.
In meiner Zeit als Lebenskundelehrerin und auch als Lehrerin in anderen Fächern habe ich oft folgende Bert Brecht Geschichte vom Herrn Keuner benutzt um Gedanken anzustoßen: Die Frage, ob es einen Gott gibt. 'Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe. Herr K. sagte: „Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann können wir die Frage fallenlassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, daß ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott'.

Berlin, 2. Juli 2026 | 7. Juli 2026 eF.