Sebastian F. Meyer
Sebastian F. Meyer
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- Selbstdefinition
Meine Weltanschauung ist reflexiv und verantwortungsorientiert. Ich gehe davon aus, dass Realität erklärbar ist, Erkenntnis jedoch immer perspektivisch und vorläufig bleibt. Wissenschaft, Erfahrung und Intuition ergänzen sich, wenn sie kritisch geprüft werden. Der Mensch ist fehlbar und formbar, aber zur Verantwortung fähig, wenn Wille, Möglichkeit und Urteilskraft zusammenkommen. Wahrheit ist Annäherung — vielschichtig und kontextabhängig — und muss immer wieder überprüft werden. Moral entsteht aus mehreren Quellen und bleibt begründungspflichtig.
- Entscheidende Erfahrungen
Geprägt wurde meine Haltung nicht durch ein System, sondern durch Erkenntniserfahrungen, Erschütterungen, Begegnungen und mein eigenes Temperament.
- Elitär
Geprägt wurde meine Haltung nicht durch ein System, sondern durch Erkenntniserfahrungen, Erschütterungen, Begegnungen und mein eigenes Temperament. - Reflektierte Ethik entsteht oft zuerst in kleinen, hochreflektierten Gruppen — ihre Aufgabe ist es, sie anschlussfähig zu machen.
- Religiöse Zwänge
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- Konkrete Eigenerfahrungen mit Religiosität
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- Glaubensfreie Alternativen
Glaubensfreie Alternativen zu religiösen Ritualen lebe ich nicht als Ersatzhandlungen, sondern als reflektierte Praxis. Als Surrealist kultiviere und schärfe ich meine Erkenntniswerkzeuge — Wahrnehmung, Deutung, Zweifel und Kontextbewusstsein. Meine Kunst ist dabei kein Glaubenssystem, sondern ein Prüf- und Resonanzraum. Sie gibt mir Halt, weil sie mein Verhältnis zur Welt, zur Gesellschaft und zu mir selbst ständig rückkoppelt. Dazu gehört das fortwährende Austarieren meines moralischen Kompasses — nicht als Besitz, sondern als Aufgabe.
- Freiheit, eigene Wünsche und Gedanken zu leben
Ich fühle mich heute freier als früher. Lange habe ich stark nach dem Pflichtprinzip gelebt und eigene Wünsche eher zurückgestellt — auch weil ich so geprägt wurde. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass innere Freiheit bedeutet, auch dem eigenen Empfinden und den eigenen Impulsen Raum zu geben. Ein gesunder Trieb darf wachsen, solange er reflektiert bleibt. Für mich liegt die Balance zwischen Lust und Pflicht nicht im Entweder-oder, sondern in einer bewussten Integration. Wer in sich ruht und sich selbst besser versteht, kann klarer denken und authentischer entscheiden. Freiheit ist für mich deshalb ein Prozess — auch des Umlernens und Prüfens gesellschaftlicher Erwartungen.
- Zusammenhang zwischen Humanismus und Aufklärung
Für mich gehören Aufklärung, Humanismus und persönliche Verantwortung untrennbar zusammen. Es braucht die Bereitschaft und die aufgeklärte Befähigung, den eigenen Verstand zu gebrauchen. Daraus kann sich eine reflektierte humanistische Welt- und Wertehaltung entwickeln, die den Menschen und seine Würde ins Zentrum stellt. Erst auf dieser Grundlage wird persönliche Verantwortung nicht nur übernommen, sondern verstanden, verinnerlicht und tatsächlich gelebt.
- Praktischer Humanismus
Ich bringe Humanismus nahe, indem ich versuche, ihn vorzuleben — im Denken, im Sprechen und im Handeln. Durch respektvollen Umgang, begründete Urteile und die Bereitschaft zur Selbstkritik. Nicht durch Belehrung, sondern durch Haltung und Gespräch. Werte werden glaubwürdig, wenn sie sichtbar gelebt werden.
- Selbstbestimmtes Leben und selbstbestimmtes Sterben
Selbstbestimmtes Leben und selbstbestimmtes Sterben sind für mich eng mit Würde und Freiheit verbunden. Der Mensch sollte das Recht haben, grundlegende Entscheidungen über sich selbst zu treffen — auch wenn sie nicht immer vollkommen vernünftig erscheinen. Freiheit ohne Verantwortung ist jedoch leer; Selbstbestimmung schließt Eigenverantwortung ausdrücklich ein. Zugleich braucht echte Selbstbestimmung Mündigkeit, Urteilsfähigkeit und möglichst druckfreie Bedingungen. Es ist Aufgabe einer aufgeklärten Gesellschaft, diese Mündigkeit zu fördern und verantwortete Selbstentscheidung zu ermöglichen — im Leben wie im Sterben. Autonomie ist kein Zustand, sondern eine Fähigkeit, die individuell und gesellschaftlich erlernt werden muss.
- Was schadet der Gesellschaft aktuell am meisten
Der größte Schaden für unsere Gesellschaft ist heute die Dummheit — nicht als Mangel an Intelligenz, sondern als Verweigerung von Denken und Urteilskraft. Sie zeigt sich in Gedankenlosigkeit, Konformismus und der Bereitschaft, Verantwortung an Ideologien, einfache Narrative oder Autoritäten abzugeben. Besonders gefährlich ist, dass Dummheit nicht nur entsteht, sondern gezielt erzeugt und verstärkt wird — durch Desinformation, Vereinfachung und emotionale Überreizung. Ihr wirksamstes Gegenmittel sind Vernunft, Selbstreflexion und moralische Urteilskraft.
- Stille bzw. unbekannte Humanisten
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- Humanismus und Spiritualität
Der Mensch braucht Formen der Sammlung — aber keine dogmatische Rahmung. Menschen benötigen Orte des Andenkens und der Besinnung — unabhängig von religiösem Glauben. Solche Orte können real oder innerlich sein, materiell oder sozial, als Raum, als Objekt, als Handlung oder als Tätigkeit. Entscheidend ist nicht ihre Form, sondern ihre Funktion: Sammlung, Selbstprüfung, Erinnerung und Orientierung. Freie Menschen können solche Besinnungsräume überall finden und bewusst gestalten.
- Zukunft und Wünsche
Wir erleben derzeit eine digitale Phase großer Entgrenzung — einen technologischen Möglichkeitsraum ohne ausreichendes menschliches und gesellschaftliches Maß. Gerade darin sehe ich eine wichtige Zukunftsaufgabe und Chance für den Humanismus. Er kann helfen, Leitlinien zu entwickeln, die Würde, Verantwortung, Urteilskraft und Gemeinwohl auch im digitalen Raum sichern. Nicht Technikfeindlichkeit ist gefragt, sondern menschenorientierte Gestaltung. Mein Wunsch ist, dass humanistische Prinzipien stärker in Bildung, Technologiegestaltung und öffentliche Debatten einfließen. Damit Digitalisierung nicht nur effizient, sondern menschlich wird.