Dr. Jan Sütterlin

Dr. Jan Sütterlin

...

Selbstdefinition

Ich sehe mich primär als Wissenschaftler. Für mich ist der evolutionäre Humanismus eine logische Schlussfolgerung aus einer wissenschaftlichen Weltsicht, die am Wohlbefinden von empfindungsfähigen Lebewesen orientiert ist.

Entscheidende Erfahrungen

Keine spektakulär einschneidenden Erfahrungen. Mein Interesse und die Erkenntnis, dass die großen Fragen des Lebens wissenschaftlich beforscht und bearbeitet werden können, entwickelte sich graduell. Vielleicht die größte Erleuchtung für mich war, dass Wissenschaft auch beim Thema "was sollen wir tun" (Ethik/Moral) von zentraler Bedeutung ist. Meine Top-Lektüre hier war Sam Harris Buch "The Moral Landscape". Wieso Kirchenfunktionäre als Moralexperten in Talkshows eingeladen werden wird für mich immer ein Rätsel bleiben.

Elitär

litär und arrogant emfpinde ich es, wenn man vorgibt sichere Antworten auf große Fragen zu haben, die eben noch nicht beantwortet sind. Hier gefällt mir das Zitat des Physikers Richard Feynman: "I would rather have questions that can't be answered than answers that can't be questioned".

Religiöse Zwänge

Da es in der 80ern fast nur konfessionelle Kindergärten in Westdeutschland gab, bin ich mit Bibelgeschichten und religiösen Riten sehr früh konfrontiert worden. Auch als Kind waren mir göttliche Maßnahmen wie die "Sintflut" schon nicht sympathisch und ich habe mich bei den Veranstaltungen immer unwohl gefühlt. Erst zur katholischen Firmung konnte ich mich dem Gruppenzwang entziehen und habe dem Verein allmählich den Rücken gekehrt

Konkrete Eigenerfahrungen mit Religiosität

Keine besonders einprägsamen Erfahrungen.

Glaubensfreie Alternativen

Wissenschaft gepaart mit einer gesellschaftlichen, d.h. vom Menschen ausgehenden, Einigung über unsere Zielvorstellungen (meine Vorstellung von Humanismus). Im fundamentalen Gegensatz zu Religionen arbeitet die Wissenschaft mit sparsamen und falsifizierbaren Hypothesen. Außerdem haben wissenschaftliche Theorien/Modelle eine Vorhersagekraft. Je besser die Vorhersagekraft eines Modells desto näher an der Wirklichkeit muss es sein. Religiöse Theorien haben keinerlei Vorhersagekraft. Daher ist Wissenschaft die beste Methodik um zukünftige Ziele in Abhängigkeit gewisser Maßnahmen zu erreichen. Woher kommen die Ziele? Sicher nicht aus Büchern archaischer Hirtenkulturen, sondern durch eine gesellschaftliche Diskussion über was Wohlbefinden für bewusste Lebewesen bedeutet und wie es effizient verteilt werden kann.

Freiheit, eigene Wünsche und Gedanken zu leben

Ich wünsche mir, dass ich am Ende meines Lebens zurückblicke und nicht bereue wie ich meine Zeit verbracht habe und dass ich während dessen im Blick behalte, dass der Weg Freude bereiten muss, da man immer auf dem Weg sein wird.

Zusammenhang zwischen Humanismus und Aufklärung

Keine Ahnung. Mit der Geschichte der Aufklärung habe ich mich bisher nicht intensiv auseinander gesetzt.

Praktischer Humanismus

Der Humanismus muss sich zunehmend aus der akademischen Ecke herauswagen und die Bemühungen auf den Gebieten der Trauerbegleitung, Achtsamkeit und Sozialarbeit ausbauen. Hier gibt es viel Optimierungspotential.

Selbstbestimmtes Leben und selbstbestimmtes Sterben

Ich befürworte die Möglichkeit der Selbstbestimmung und Sterbhilfe unter Abwägung der komplexen Tatsache, dass Menschen temporär unter Depressionen leiden können und nicht immer wissen was für sie selbst am besten ist. Wir greifen häufig in die Selbstbestimmung unserer Kinder ein und heute wüsste man auch, welche Verhaltensweisen für das 20 Jahre jüngere Ich besser gewesen wären.

Was schadet der Gesellschaft aktuell am meisten

Die unzureichende Streitkultur ist gefährlich. Die Polarisierung der politischer und weltanschaulicher Strömungen ist auf Filterblasen in unseren aktuellen Kommunikationsmitteln zurückzuführen. Wir benötigen Mechanismen/Algorithmen, die die Kontaktzone der Gruppen absichtlich erhöhen. Wir müssen lernen aktiv nach den besten Gegenargumenten gegen unsere eigenen Ansichten zu suchen. Nur so können sich die besten Ideen durchsetzen.

Stille bzw. unbekannte Humanisten

Ein exzellenter Junger britischer Youtuber, der mehr Aufmerksamkeit verdient, ist Stephen Woodford mit seinem Youtubekanal "Rationality Rules".

Humanismus und Spiritualität

Das Wort Spiritualität ist mir aufgrund seiner Ethymologie nicht sympathisch. Es suggeriert eine Unerklärlichkeit von Bewusstseinserfahrungen. Menschen lügen (meist) nicht, wenn sie von besonderen "spirituellen" Erfahrungen oder "Erleuchtungen" sprechen. Interessante Einsichten über die Natur des Bewusstseins kann man aber genauso über Techniken der Achtsamkeit bzw. Meditation erreichen, ganz ohne Hokus-Pokus und Esoterik. Empfohlen sei hier die neue (2018) Meditationsapp App "waking up course" des amerikanischen Neurowissenschaftlers und Philosophen Sam Harris.

Zukunft und Wünsche

Entgegen dem medialen Eindruck zeigt eine objektive Analyse der Entwicklung der Menschheit, dass es über die Jahrhunderte auf allen Gebieten massive Verbesserungen gegeben hat. Vom Rückgang der Kindersterblichkeit und absoluten Armut bis zur Zunahme der Alphabetisierung. Der Ausbau der Menschenrechte zeigt auch einen moralischen Fortschritt. Ich bin optimistisch und hoffe, dass ich mit Freude auch einen winzigen Teil zum zukünftigen Fortschritt beitragen kann. 

Antworten © Dr. Jan Sütterlin
„Epikurs Garten” - „Who is Hu” - Gesichter gegenwärtiger Humanisten © Evelin Frerk (1059)

Epikurs Garten - Dr. Jan Sütterlin