Raif Badawi

Raif Badawi               2016 Deschner-Preis für Raif Badawi und Ensaf Haidar

2014-05: Verurteilt im Königreich Saudi Arabien zu 10 Jahren Gefängnis, 1000 Stockschlägen, einer Geldstrafe und 10  Jahren Ausreiseverbot .

2020-06: free raif! Mahnwache in Berlin
"Reporter ohne Grenzen" hatte für Raif Badawi aufgerufen. Vor der Botschaft des Königsreichs von Saudi Arabien in Berlin hielt Christian Mihr, Executive Direktor von "Reporter ohne Grenzen" diese  Rede:

"Heute vor acht Jahren - am 17. Juni 2012 - wurde in Saudi-Arabien der Blogger Raif Badawi verhaftet. Sein Verbrechen: Er hatte ein Online-Diskussionsforum zu Liberalismus ins Leben gerufen, und er hatte in seinen Veröffentlichungen die religiösen Institutionen des wahabitischen Königreichs kritisierte.

Im Mai 2014 wurde Raif unter anderem wegen „Beleidigung des Islam" zu zehn Jahren Gefängnis, 1000 Stockhieben, zehn Jahren Ausreiseverbot und einer Geldstrafe verurteilt. Die öffentliche Vollstreckung der ersten 50 Stockhiebe löste einen internationalen Aufschrei der Empörung aus. Weitere 950 Stockhiebe hätten sehr wahrscheinlich eine langsame, qualvolle Hinrichtung bedeutet. Nach der heftigen internationalen Kritik wurde ihre Vollstreckung jahrelang immer wieder aufgeschoben.

Was ist seitdem in Saudi-Arabien geschehen? 2017 wurde der junge, als Reformer geltende Mohammed bin Salman zum Kronprinzen ernannt. Er begann seine Regentschaft mit einer Repressionswelle gegen Kritikerinnen und Kritiker im Königreich. In mehreren Wellen wurden seitdem immer mehr Bloggerinnen und Blogger, Journalistinnen und Journalisten festgenommen. Die meisten von ihnen sitzen bis heute im Gefängnis, einige im Hausarrest. Viele wurden höchstwahrscheinlich gefoltert.

2018 ermordeten Agenten Saudi-Arabiens den Exil-Journalisten Jamal Khashoggi in Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul. Spätestens seitdem sollte endgültig jeder Beobachterin und jedem Beobachter klar sein, dass das Königreich keine Gnade und keine Skrupel kennt, wenn es darum geht, seine Kritikerinnen und Kritiker mundtot zu machen.

Und heute? Aktuell ist Saudi-Arabien Präsident der G20, der Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer- aller internationalen Kritik an seiner monströsen Repression zum Trotz. Im November will das Königreich seine G20-Präsidentschaft mit einem Gipfel in Riad krönen und hofft darauf, glanzvolle Bilder zu produzieren, die zeigen, wie seine Herrscher unter den mächtigsten Männern und Frauen der Welt als ihresgleichen behandelt werden.

Immer wieder produziert das Königreich Schlagzeilen mit Schritten seiner vermeintlichen Liberalisierung, die doch nur zeigen, wie repressiv dieses Regime ist: Da wird eine vorsichtige Öffnung für den Tourismus zelebriert, werden große Wirtschaftsreformen angekündigt und werden Frauen nicht mehr rundheraus vom Autofahren ausgeschlossen -während jene Bloggerinnen weiter im Gefängnis sitzen oder unter Hausarrest stehen, die genau dies das Jahren gefordert hatten."

 2020-06-17:
Mahnwache für Raif Badawi

Seit acht Jahren sitzt in Saudi-Arabien der Blogger Raif Badawi im Gefängnis, weil er in seinen Veröffentlichungen die religiösen Institutionen des Königreichs kritisierte. Zum Jahrestag seiner Verhaftung ruft Reporter ohne Grenzen zu einer Mahnwache in Berlin auf:

Mittwoch 17. Juni 2020 um 12:30 Uhr - vor der Botschaft des Königreichs Saudi-Arabien, Tiergartenstraße 33, 10785 Berlin.

Für die Teilnahme an der Mahnwache gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln.

Kaum Informationen über Badawis Haftumstände

Raif Badawi wurde am 17. Juni 2012 verhaftet und Im Mai 2014 unter anderem wegen „Beleidigung des Islam“ zu zehn Jahren Gefängnis, 1000 Stockhieben, zehn Jahren Ausreiseverbot und einer Geldstrafe verurteilt. Nach heftiger internationaler Kritik an der öffentlichen Vollstreckung der ersten 50 Stockhiebe wurde die restlichen 950 Hiebe jahrelang immer wieder aufgeschoben. Erst dieses Jahr hat Saudi-Arabien diese besonders grausame Art der Bestrafung endlich abgeschafft, so dass Badawi zumindest dieser Teil seiner Strafe endgültig erspart bleiben dürfte.

Über den Zustand Raif Badawis in Haft gibt es nur sehr spärliche Informationen. Selbst die normalerweise wöchentlichen Anrufe seiner Frau und Kinder werden teils offenbar monatelang unterbunden. Vergangenen Dezember soll Badawi in Isolationshaft gesteckt worden sein, im März kam er nach einem Hungerstreik offenbar ins Krankenhaus.

Insgesamt sind in Saudi-Arabien derzeit mindestens 32 Medienschaffende wegen ihrer journalistischen Arbeit im Gefängnis. Das Königreich gehört zu den Ländern, in denen es weltweit am schlechtesten um die Pressefreiheit steht: Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht es auf Platz 170 von 180 Ländern.

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VBadawi-Haidar_DeschnerPreis 2016©ef

2016 - 13. April ehrt die Giordano-Bruno-Stiftung Raif Badawi und seine Ehefrau Ensaf Haidar mit dem "Deschner-Preis 2016". Die Laudation hält Hamed Abdel-Samad, die  Preisvergabe fand in der Deutschen National-Bibliothek in Frankfurt/Main statt.

Frankfurt/Berlin 2016/2020-06-eF