Ingrid Matthäus-Maier

Ingrid Matthäus-Maier, Politikerin, Juristin            Fotografie©evelinFrerk

Aktuell
In der Männer-Republik  - Wie Frauen die Politik eroberten
Autor Torsten Körner, Kiepenheuer & Witsch, 2020-02.

"Auf dem Standesamt", mit diesem Kapitel stellt der Autor Torsten Körner auf der Basis von Gesprächen die Stationen der 1945 geborenen Ingrid Matthäus in den Mittelpunkt.
Sein Fazit: "Wer auf den Lebensweg dieser Frau schaut, wird  eine der bemerkenswertesten Politikerinnen der alten Bundesrepublik entdecken. Sie ist ... stets eine der Ersten."

Politisch
IMM vertritt in der FDP den linksliberalen Flügel.
Themen/Ziele
IMM setzt sich u. a. ein
 § 218 - für die Fristenlösung,
 Gleichberechtigung  von Mann und Frau,
 für ein liberalen Grundempfindens in der Gesellschaft.

1972  Bundesvorsitzende  der Jungdemokraten, erste Frau an der Spitze  einer
           Nachwuchsorganisation der Parteienlandschaft in der Bundesrepublik;
1976  Einzug in den Bundestag mit einem FDP-Mandat,
           "Extremistenerlass ist Gesinnungsschnüffelei" führt zum
           Parteischiedsgerichtsverfahren;
1977  finanzpolitische Sprecherin der FDP
           (gegen den erbitterten Widerstand von Otto Graf Lambsdorf);
1979  Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags
           ("... auch hier setzt sie sich in  einer klassichen Männerbastion durch")

Mediale Stimmen fragten zu dieser Zeit,
ob sie sich diese für eine Frau ungewöhnliche Ämter/Aufgaben  überhaupt zutraue;
die dpa setzt als Stempel "attraktiv und aggressiv".

1982  auf dem Berliner Parteitag tritt IMM aus der FDP aus.
           Sie fühlt sich an das Wahlversprechen von 1980,
           die Koalition FDP und SPD  gebunden.
           Sie  signalisiert "Widerspruchsgeist, Emanzipation,  Selbstbewußtsein".
           Eintritt in die SPD - Fortsetzung der Karriere.
1983   SPD-Kandidatin im Rhein-Sieg-Kreis;
1988   Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD,
            erste Vorsitzende  eines  Bundestagsuntersuchungsausschusses,
            "Goldenes Mikrofon" für die beste Bundestagsrede, IMM ist die erste Frau die diese 
             Auszeichnung erhält.
1998   Cicero-Rednerpreis,
            Für die rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder gilt IMM als Anwärterin für
            das Amt der Finanzministerin. Oskar Lafontaines setzt seinen Machtanspruch durch.
1999   Vorstand der Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW,  Hausbank des Bundes;
2006   Vorstandssprecherin der KFW;
2008   Ingrid Matthäus-Maier legt dieses Amt nieder.
2012    Beginn der vierjährigen Präsidentschaft der
            Vereinigung ehemalige Mitglieder des Deutschen Bundestages und des
             Europäischen Parlaments e. V.   
2016  Schatzmeisterin  der zuvor genannten Vereinigung

Fotodokumentationen - die Parlamentarierin
      
Persönlich
In den 1960er Jahren studiert Ingrid Matthäus  Rechtswissenschaft in Münster. Sie wohnte als Untermieterin bei einer katholischen Familie. "Freund Robert Maier ist häufig zu Besuch."  Sie ziehen ohne Trauschein zusammen. 1974  heiratet das Paar. Der Standesbeamte beglückwünscht "Herrn und Frau Maier". Der Eklat nimmt seinen Lauf: Sie hat beantragt, ihren Mädchennamen an den des Ehemannes anzuhängen. Der Standesbeamte fühlt sich sicher, denn "das haben wir hier noch nie gemacht". Noch 1983 begleiteten beim Wahlkampf die Kandidatin Verunglimpfungen konservativer Kräfte, die sich gegen Doppelnamen stellten.

Eine steile Karriere, gleichzeitig Mutter von zwei Kindern - wie kann das gehen? 
1980 wird das zweite Kind geboren. Diplom-Mathematiker Robert Maier stellt seine beruflichen und politischen Ambitionen zurück und kümmerte sich vor allem um Haushalt und Kinder. 
IMM bittet als Parlamentarierin um "zügige Abarbeitung der Tagesordnung", führt präzise 
Zeitplanung ein,  Robert Maier, auch die Familie, bringen die Kinder pünklich zum Stillen in ihr Büro.

Fazit des Autoren: "Ein damals noch rareres Rollenmodell als heute."

Zitat IMM: "Männer sind nicht das Maß aller Dinge."

Lesung /Veranstaltung
2021-03-09, 18:30 in Neuss
2021-03-20, 19:30 in Mainz

"in der Männer-Republik 72"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

2019 März
50 Jahre Wahl Gustav Heinemanns zum Bundespräsidenten
Ein Stück Machtwechsel - Vortrag und Zeitzeugengespräch im Willy-Brandt Forum Berlin.
Ingrid Mathäus-Meier ist als Zeitzeugin zu Gast.

Imm_Willy-Brandt-Stiftung 2019

Fotografie ©evelin Frerk.

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Ingrid Matthäus-Maier, Laizistin in der SPD,  aktiv im Thema Kirchenfinanzen u. a. mit GerDia - gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz  auch gegen gegen Privilegien der Kirchen ...
http://www.google.de/search?client=safari&rls=en&q=Gerdia+Ingrid+Matthäus+Maier&ie=UTF-8&oe=UTF-8&gws_rd=cr&ei=BVleUp25GOfm4QTAm4DoAQ

(siehe auch die Grünen:  Bundesweiter Arbeitskreis der Säkularen Grünen) http://saekulare-gruene.de/gerdia-gegen-religiose-diskriminierung-am-arbeitsplatz/

2017-01 Ingrid Matthäus-Maier wird Mitglied des WDR-Rundfunkrates, Rainer Ponitka (ibka) der Vertreter.

In einer WDR-Gesprächsrunde betont IMM:  „Mich regt auf, dass eine Vereinnahmung der ganzen Sendertätigkeit stattfindet, als seien wir ein rein christliches Land. Dass mittlerweile fast 50 Prozent der Einwohner nicht Mitglied einer Kirche sind, ich nenne das säkular, wird nicht zur Kenntnis genommen. Ich habe gezählt: 1703 Verkündungssendungen gibt es im WDR pro Jahr, beim Deutschlandfunk gab es in den vergangenen drei Monaten 16 Gottesdienste à 54 Minuten, zum Glück gab es noch die Nachrichten. 

Wir sind keine rein christliche Gesellschaft mehr. Wir sind eine säkulare, eine christliche, eine muslimische. Und diese Unterschiede kommen zu wenig zum Vorschein. Die Trennung von Kirche und Staat, die wir seit der Weimarer Verfassung haben – „Es gibt keine Staatskirche“ – wird sehr oft durchbrochen. Ich bin nicht dafür, dass Religion aus der gesellschaftlichen Wahrnehmung verschwindet, aber diese Zahl an Verkündigungssendungen war vielleicht mal angemessen in den Fünfziger Jahren, aber heute ist das nicht mehr angemessen. Und wir Laizisten müssen jede Veränderung hart erkämpfen.“

---------------------------------------------------------------------------
Vita
Ingrid Matthäus-Maier wurde am 9. September 1945 in Werlte geboren. 1965 machte sie ihr Abitur in Duisburg. Sie studierte Rechtswissenschaft in Gießen und Münster und war danach bis 1976 als Verwaltungsrichterin in Münster tätig. 1969 trat sie in die F.D.P. ein. 1972 wurde sie Bundesvorsitzende der Jungdemokraten. Nach dem Koalitionswechsel 1982 ("geistig-moralische Wende") trat sie aus der F.D.P aus und in die SPD ein. Sie war Mitglied des Bundestages von 1976 bis 1982 und von 1983 bis 1999. Von 1999 bis 2008 gehörte sie dem Vorstand der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an, von 2006 bis Mitte 2008 war sie Vorsitzende und Sprecherin der KfW-Bankengruppe (Rücktritt im April 2008). Seit 2007 ist Ingrid Matthäus-Maier Mitglied der von Bundesminister Sigmar Gabriel ins Leben gerufenen Naturallianz, die sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzt.

Die "rote Ingrid", wie sie mitunter von Journalisten bezeichnet wurde, war maßgeblich an der Formulierung des 1974 entstandenen, damals wie heute erstaunlich fortschrittlichen FDP-Kirchenpapiers „Freie Kirche im Freien Staat“ beteiligt, das eine klare Trennung von Staat und Kirche (u.a. die Abschaffung der Kirchensteuer und die Ablösung sämtlicher exklusiver Staatsleistungen an die Kirchen) forderte. 1998 wurde sie mit dem CICERO-Rednerpreis ausgezeichnet.

Mit Dank an die  Giordano-Bruno-Stiftung wurde von der Homepage die Vita von
Ingrid Matthäus-Maier Homepage übernommen.

Berlin 2020-07-02/2020-11-04 eF.