Paulina Ruchniewicz

Paulina Ruchniewicz

lebt in Berlin. Nach dem Abitur jobbte sie  um sich ohne finanzielle Abhängigkeit von den Eltern im Leben zu orientieren. 2012 begann sie die Ausbildung zur Erzieherin und will nach dem Abschluß 2014 ihr Wissen in der Arbeit mit Kindern weitergeben.

 

Paulina Ruchiewicz: "Ein irrer Weg oder ein Irrweg?

 

Mein Weg zu den Humanisten war  - wie ich finde all unsere Wege,  die wir gehen -  ein von Zufällen geprägter.

Geboren bin ich in Polen, der wunderschönen Stadt Danzig und wie Du dir denken kannst, auch dementsprechend religiös erzogen.
Als ich die erste Klasse besuchte und meine Schwester noch ein Baby war, entschieden sich meine Eltern nach Deutschland auszuwandern.
In Berlin angekommen, der Multikultistadt überhaupt,  sah ich erstmals Frauen mit Kopftüchern, hörte unbekannte Sprachen und lernte Menschen aus verschiedensten Ländern kennen.
Meine Akklimatisierung hat eine Weile gedauert. Heute weiß ich aber diese Erfahrungen sehr zu schätzen und möchte sie wirklich nicht missen.

Als Polin  in Deutschland  hörte ich von meinem Vater durchaus:  "Was ist das für eine Freundin gewesen? Die sieht so türkisch aus? Muss sie denn kein Kopftuch tragen?" oder "Denke ja nicht daran, einen Araber nach Hause zu bringen!" Manchmal wurden seine Kommentare ausfallender und ich habe sie meinem Vater immer übel genommen.

Vor kurzem  wollten alle zusammen Essen gehen, ich hatte mein T-Shirt mit dem Aufdruck "Gottlos Glücklich" an und mein Vater kam mit seinem Angebot: "Du erhälst von mir 50 € und darfst dir davon neue T-Shirts kaufen,  aber dafür schmeißt Du  dieses Ding in den Müll" -  und ich sagte nur: "Du hälst ja was von deiner Tochter! Ich verkaufe doch nicht meinen Kopf!"

Nun will ich aber erzählen wie ich zu dem tollen T-Shirt kam.
Ich habe es mir in einem Copyshop bedrucken lassen. Der Aufdruck stammt ursprünglich von der Buskampagne und Ich wollte unbedingt genau dieses zu meinem Kirchenaustritt im April 2012 tragen.
Nun fragt man sich, was zwischen der durchaus funktionierenden Indoktrinierung und dem Kirchenaustritt passiert ist...

Bereits in der Grundschule fragte ich meine Religionslehrerin wie sicher wir sein können, dass die Geschichten in der Bibel so, wie sie da stehen, passiert wären. Und sie sagte etwas ausweichend, in etwa so: "Auch wenn sie vielleicht nicht so passiert sind, sind sie von Gott und sind vor allem symbolisch zu verstehen." Für mich war ab da an klar: die Bibel ist ein Märchenbuch!

Nur war ich recht einsam mit dieser Erkenntnis bis ich eine für mich bedeutsame Freundin kennenlernte, die mir wiederum einen für mich wichtig werdenden Mann vorstellte; Einen evolutionären Humanisten, der gerade dabei war, seinen eigenen Weg in die Giordano Bruno Stiftung zu finden. Er  erzählte mir begeistert,  Menschen kennen gelernt zu haben, die eine naturwissenschaftliche Sicht auf die Welt haben wie er, die etwas Bewegen wollen und das angstfrei von religiöser Doktrin.
Ich fand bei den Evolutionären Humanisten Menschen, wie ich und wie ich sie gesucht hatte, die offen, aber auch kritisch und aktiv sind. Besonders hat mir gefallen, dass es hier Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen, Berufen,   im unterschiedlichen Alter und mit so vielen Schwerpunkten gibt.
Als katholisch aufgewachsenes Kind hatte ich gelernt: Kinder haben nichts zu sagen, müssen auf die Erwachsenen hören und ihnen Respekt entgegen bringen.
Die erste Begegnung mit den Humanisten begann mit "Hast Du mich etwa gerade gesiezt?!" Und dazu musst Du dir Augen vorstellen, deren Lachfalten Dir verraten, du bist Willkommen!"

 

Berlin, 2013-03-05eF.