Helke Sander
Prof. Helke Sander Fotografie Copyright Evelin Frerk
Helke Sander, Filmregiesseurin, Autorin
„Die Verhältnisse sind veränderbar,
und zwar durch Einsicht und selber denken:
Warum ist, was ist?“
Helke Sander
A k t u e l l Helke Sander © März 25: Sind alle verrückt geworden?
Mit ca. 600 Milliarden Euro soll die Bundesrepublik erreichen, dass ihre Einwohner kriegstüchtig werden. Einerseits soll sich ein größerer Teil der jüngeren Bewohner und Bewohnerinnen als Soldaten für das Vaterland opferbereit machen und dazu vorher in renovierten Kasernen besser ausgebildet werden. Ein kleinerer Teil, hochqualifizierte Fachleute, sollen die komplizierten Rüstungsgüter bedienen. Sie können in irgendeinem Dorf fernab des Ziels sitzen, um dies mit einem Mausklick zu erreichen und von der Landkarte verschwinden zu lassen.
Wie in seltenen Umfragen zu erfahren ist, denken junge Leute eher skeptisch über die für sie vorgesehene Karriere.
Ich habe seit 1978 immer mal wieder in verschiedenen Texten auf Mr. Baroody aus Saudi-Arabien aufmerksam gemacht und finde es höchste Zeit, dies wieder zu tun.
Was zeichnete diesen Mann aus?
In den deutschen Zeitungen stand im Juni 1978 eine nur wenige Zeilen umfassende und in ironischem Tonfall verfasste Notiz über einen Redner aus Saudi-Arabien, der in der UNO-Vollversammlung im Mai/Juni 78, bei der auch Schmidt und Genscher anwesend waren, in seinem Vortrag u.a. unkonventionelle Beschlüsse forderte, um die Kriegsgefahr einzudämmen. Vor kriegerischen Handlungen sollte ein Mütterkomitee aus den betreffenden Ländern gemeinsam tagen und Wege finden, den Krieg zu verhindern und – sollte dies nicht gelingen – dann dürften nur Männer über 35 Jahre eingezogen werden, weil die es sind, die normalerweise Kriegshandlungen beschließen, aber selber in Sicherheit sitzen und jüngere Menschen opfern.
Zu diesem Artikel gab es meines Wissens keinerlei Kommentare. Ich besorgte mir später in der saudiarabischen Botschaft in New York die Rede. Auskunft über diesen Mann bekam ich nicht. Ich fürchtete, dass sein Vortrag für ihn tödlich war.
(Er ist tatsächlich 1979 gestorben, wie inzwischen im Internet zu lesen ist:
https://en.wikipedia.org/wiki/Jamil_Baroody
oder hier: [url=https://aub.edu/articles/Pages/Jamil_Baroody.aspx]https://aub.edu/artic…]
und hier: [url=https://time.com/archive/6844011/united-nations-jamil-the-]https://time…] irrepressible/. Allerdings nichts über diese Rede.
Er sagte u.a., dass es so nicht weitergehen könne. Man müsse erkennen, dass die Politiker endlos wiederholen, was sie alles für den Frieden der Welt machen wollen, aber je mehr geredet würde, desto mehr würde aufgerüstet. Seine Vorschläge seien aus der Not geboren und unkonventionell. Er berichtete, dass Politiker in ihren eigenen Staaten unter großem Druck stünden. Das bedeute, dass man bei dauerndem Druck nicht mehr vernünftig denken und handeln könne und der Druck weiterbestehe, den zu lösen sie angetreten sind.
Mütter hätten ein Interesse daran, Konflikte auf eine Weise zu lösen, bei der ihre Söhne und Männer nicht sterben müssten. Außerdem mache die moderne Kriegsführung die Infanterie überflüssig zugunsten der „Knopfdruck- Operationen“.
Das alles sagte Herr Baroody aus Saudi-Arabien 1978.
Und weder war es Politikern noch Zeitungen ernsthafte Reaktionen wert.
(Ich hoffe, die Rede ist noch verfügbar in den Botschaften. Mein Exemplar ist im Lauf der Jahrzehnte in anderen Papieren verschwunden und zur Zeit nicht auffindbar. Es gibt ein Videoband „Wie kommt das Kamel durchs Nadelöhr“, über einige der damals ca. 40jährige Mütter, die ich zur Diskussion über Baroodys Thesen eingeladen hatte.)
Der Krieg in der Ukraine ist jetzt mehr als 3 Jahre alt.
Zum ersten Mal scheinen Gespräche zur Beendigung aussichtsreich. Vermutlich zu Bedingungen, die heute verlustreicher für die Ukraine sind als zu Beginn. Tausende jetzt Toter und Verstümmelter könnten noch leben bzw. wären unversehrt. Vielen Beobachtern und Beobachterinnen war es schon damals klar, dass an einen SIEG der Ukraine gegen das große Russland nicht zu denken war. Waffenlieferungen verlängern ihn lediglich.
Ein moderner Krieg kann nicht gewonnen werden. Vernichtung droht Angreifern wie Angegriffenen je länger er dauert.
Wenn man das weiß, dann wundert man sich über die geschürte momentane Kriegsangst einerseits und wundert sich nicht darüber, dass viele ukrainische Männer es bisher schon vorgezogen haben, sich der Wehrpflicht zu entziehen. Sie wollen lieber leben und dafür Land opfern. Dabei ist es ärgerlich und interessant, was nicht bei Wikipedia zu finden ist. Vor einiger Zeit wurde die Zahl der geflüchteten potentiellen Soldaten aller Altersgruppen mit knapp 900.000 angegeben. Neuerdings spricht man von einer Zahl zwischen 100.000 und 250.000. Noch weniger Chancen hatten russische Soldaten, die auch die Flucht versucht haben.
Die Ukraine ist ein vielsprachiges Land und hat sich in Sowjetzeiten mit den verschiedenen Volksgruppen vermischt. Ukrainisch war nicht die einzige Amtssprache. Es gab sehr viele Parteien mit höchst unterschiedlichen Vorstellungen über das Land. Von denen hört man praktisch nie etwas.
Wir wissen nicht, was die vielen kriegsmüden Ukrainer alles wollen.
Was es aber immer noch in Russland gibt und 1989 gegründet wurde, ist die Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands. (Mit Ablegern in anderen Ländern und z.T. anderen Namen in Russland)
Zur Erinnerung:
Die Rolle der Mütter im ersten Tschetschenien-Krieg
„Auch im ersten Tschetschenien-Krieg in den 90ern setzten sich Russlands Mütter zur Wehr und forderten von "Mutter Russland" ihre Söhne zurück. Melnikowa und andere marschierten einfach in den Krieg, verhandelten mit den Tschetschenen direkt, um ihre eingezogenen Söhne rauszuholen. Es war der Anfang vom Ende des ersten Tschetschenien-Kriegs.“
(Es gibt zu den russischen Soldatenmüttern ebenfalls Eintragungen bei Wikipedia)
Das sind vereinzelte Stimmen. Mich wundert, warum die verschiedenen internationalen Institutionen, die sich für Abrüstung und Diplomatie und Frieden einsetzen, in der öffentlichen Debatte kaum mehr vorhanden sind.
Sie wären bei diesem dauernden Kriegsgeschrei nötig.
Wovon wir aber immer wieder hören, sind die Milliardengewinne bei Rheinmetall.
Es gibt 25 Länder – allerdings kleinere – die keine Armeen unterhalten.
Helke Sander © März 25
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2023
Film: Helke Sander: Aufräumen von Claudia Richarz
DOK.Film 83 Min. (jetzt auch als DVD)
Premiere: Frauenfilmfest Dortmund 2023
Publikumspreis für den Film.
2023:
Premiere beim Internationalen FrauenFilmFest Dortmund+Köln
Fünf Seen Filmfestival, Starnberg
Filmfest FrauenWelten, Terre des Femmes, Berlin
Nordische Filmtage, Lübeck
Kasseler Dokfest
bimovie-frauenfilmfest, München
Husumer Frauenfilmtage
IDFA, Amsterdam
Festival Augenblick, Straßburg
2024:
mujerDOC, Soria (Spanien)
Biografilm, Bologna
Women Film Festival, Pnom Penh
Sevil International Women’s Documentary Film Festival, Baku
Helke Sander: Aufräumen
» Helke Sander — sperrig, verführerisch und revolutionär — gehört zum Weltkulturerbe.
Weil ihr dauernd Steine in den Weg geworfen wurden, ist sie noch immer am Aufräumen. «
Luise F. Pusch, Sprachwissenschaftlerin & Autorin

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Berlin, 2016-01-18
Akademie der Künste - Buchvorstellung
Folgender Text incl. Biografie ist mit freundlicher Genehmigung der Giordano Bruno Stiftung hier wiedergegeben:
"Helke Sander, geb. 1937 in Berlin, besuchte nach ihrem Abitur die Schauspielschule von Ida Ehre in Hamburg und arbeitete ab 1962 als Regisseurin beim finnischen Studententheater. Zudem war sie als reisende Regisseurin für die finnischen Arbeitertheater und für finnische Fernsehsender tätig. 1965 kehrte sie nach Deutschland zurück und absolvierte von 1966–69 ihr Studium an der Deutschen Film– und Fernsehakademie Berlin. 1968 gründete sie zusammen mit anderen Frauen den Aktionsrat zur Befreiung der Frauen. Als Mitbegründerin der ersten "Kinderläden" hat sie wesentlich zur Liberalisierung der Gesellschaft in Deutschland beigetragen. Ihre berühmte, von einem Tomatenwurf begleitete Rede auf dem SDS-Kongress 1968, in der sie den männlichen Führungsfiguren der Studentenbewegung vorwarf, nicht genügend zu beachten, dass "das Private politisch" sei, gilt heute als Initialzündung der zweiten Welle der Frauenbewegung und wird zu den "100(0) Schlüsseldokumenten der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert" gezählt.
Helke Sander setzte sich seit den frühen 1970er Jahren für die Legalisierung der Abtreibung ein, organisierte gemeinsam mit Claudia von Alemann das "Erste internationale Frauenfilmseminar", das 1973 in Berlin stattfand *siehe unten,) und gründete 1974 die Zeitschrift Frauen und Film, die erste feministische Filmzeitschrift in Europa, die sie bis 1981 herausgab:
Frauen und Film, Heft 72: Archive
192 S., kartoniert, m. Abb. 25, ISBN 978-3-949302-25-1
Coverbild: © Ulrike Ottinger , die letzte Nr. 72 erschien im Aviva Verlag.
Ab 1981 hatte Helke Sander neben ihren Filmarbeiten und publizistischen Tätigkeiten (u.a. "Die Geschichten der drei Damen K." (1987), "Oh Lucy" (1991), "Fantasie und Arbeit" (zusammen mit Iris Gusner, 2009), "Der letzte Geschlechtsverkehr und andere Geschichten über das Altern" (2011), "Die Entstehung der Geschlechterhierarchie" (2017)) eine Professur an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste inne. Darüber hinaus war sie Mitbegründerin und Kodirektorin des Bremer Instituts Film/Fernsehen (1989-93).
*) Auf der Berlinale Forum 2025 hatte der Film
The long Road to the Director's Chair Premiere, den Vibeke Lökkeberg aus dem lange Jahre verschwundenen und jetzt wiedergefundenen Material von 1973 hergestellt hat.
Filmografie (Auswahl)
- 1967: Subjektitüde (Regie und Drehbuch)
- 1967: Silvo (Regie und Drehbuch)
- 1967: Brecht die Macht der Manipulateure! (Regie und Drehbuch)
- 1971: Eine Prämie für Irene (Regie und Drehbuch)
- 1978: Die allseitig reduzierte Persönlichkeit – Redupers (Regie, Drehbuch und Darstellerin)
- 1981: Der subjektive Faktor (Regie und Drehbuch, Produktion und Erzählerin)
- 1984: Der Beginn aller Schrecken ist Liebe (Regie, Drehbuch und Darstellerin)
- 1985: Nr. 1 – Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste (Regie und Drehbuch)
- 1986: Nr. 8 – Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste (Regie und Drehbuch)
- 1987: Nr. 5 – Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste (Regie und Drehbuch)
- 1989: Die Deutschen und ihre Männer – Bericht aus Bonn (Regie, Drehbuch, Schnitt und Produktion)
- 1992: BeFreier und Befreite (Regie und Drehbuch)
- 1997: Dazlak – Skinhead (Regie und Drehbuch)
- 1999: Muttertier – Muttermensch (Regie, Drehbuch und Schnitt)
- 2001: Dorf (Regie, Drehbuch, Schnitt und Produktion)
- 2005: Mitten im Malestream – Richtungsstreits in der neuen Frauenbewegung (Regie und Drehbuch)
Helke Sanders Filme können bei der Stiftung "Deutsche Kinemathek Berlin" ausgeliehen werden und sind bei "good!movies" als DVD erhältlich."
https://de.wikipedia.org/wiki/Helke_Sander
https://barnsteiner-film.de/helkesander/
https://www.helke-sander.de/ zur Zeit in Neugestaltung.
Berlin, 2023 | 2025-03-22 | 03-26 eF