Amed Sherwan

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Wissenswertes

Amed Sherwan     Fotografie © evelinFrerk      
 
"Amed Sherwan, Jahrgang 1998, in Kurdistan im Nordirak geboren und aufgewachsen, mit 15 Jahren als Ex-Muslim inhaftiert und gefoltert, seit 2014 in Deutschland, Blogger und Aktivist.
Gerade weil ich als Ex-Muslim sehr viel Schreckliches mit dem Islam erlebt habe, will ich nicht dem Hass und schlichten Weltbildern verfallen oder Gleiches mit Gleichem vergelten. Meine Mission ist die Aufklärung sowie das Streben nach Freiheit und die Verwirklichung von Menschenrechten und Gleichberechtigung. Ich hoffe, Menschen damit positiv zu erreichen und aufzuwecken."
 
facebook.com/Ahmed.sherwan98

jungle.world/bloggerin/amed-sherwan

Berlin, 2018-07-09eF

                                                                    E p i k u r s    G a r t e n

Amed Shewan:  " ...ich wünsche mir eine humanistische Revolution im mittleren und nahen Osten"

1. Selbstdefinition:

     Ich bezeichne mich als Ex-Muslim.


2. Entscheidende Erfahrungen:

     Mit 14 Jahren entdeckte ich im Internet eine atheistische Seite. Was mir zunächst als Gotteslästerung vorkam, erschien mir wenig später als Offenbarung. Ich fing an, mich mit Atheismus und Islamkritik zu beschäftigen und konfrontierte meine Eltern etwa ein Jahr später mit meinem Abfall vom Glauben. Auf Druck der Nachbarn zeigte mein Vater mich dafür bei der Polizei an. Ich wurde inhaftiert und gefoltert. Aufgrund meines jungen Alters erregte mein Fall sehr viel öffentliches Aufsehen, weshalb ich sehr bekannt wurde, Drohungen erhielt und gezwungen war das Land zu verlassen.


 3. Elitär:

      Ich bin selber ein Beispiel dafür, dass humanistisches Gedankengut auch breite Bevölkerungsschichten erreichen kann. Meine Eltern sind eher bildungsfern und ich habe mich nie mit philosphischen Texten beschäftigt, bis ich die Islamkritik entdeckt habe. Das Internet eröffnet gute Möglichkeiten, viele Menschen zu erreichen. Die Form darf aber inhaltlich nicht zu schwierig, muss auch humorvoll und verspielt sein, wenn junge und eher bildungsferne Menschen erreicht werden sollen.


 4. Religiöse Zwänge:

     Ja, meine ganze Kindheit war von massiven religiösen Zwängen geprägt. Ich bin in einer streng muslimischen Familie aufgewachsen. Besonders heftig war eine Situation, als meine Mutter mich exorzieren ließ, weil sie dachte, ich sei von einem Dschinn besessen.


 5. Konkrete Eigenerfahrungen mit Religiosität:

     Ich war als Kind sehr gläubig, habe fünf Mal am Tag gebetet und bin regelmäßig in die Moschee gegangen.

 

 6. Glaubensfreie Alternativen:

     Nein, nicht wirklich. Ich nehme schon mal an Weihnachtsfesten oder einem Fastenbrechen bei Freunden teil, ohne dass ich damit etwas spirituelles verbinde.


 7. Freiheit, eigene Wünsche und Gedanken zu leben:

     Seitdem ich in Deutschland lebe, fühle ich mich sehr frei. Allerdings erlebe ich oft Druck von Muslimen und sogar auch Nichtmuslimen, die meine Kritik an Religion oder die Tatsache, dass ich darüber lache, als provozierend empfinden. Ich erlebe regelmäßig Drohungen, nur weil ich T-Shirts mit atheistichen Sprüchen trage.
Mit Pflicht tue ich mich tatsächlich eher schwer - ich habe so hart dafür gekämpft, frei zu sein, dass es mir inzwischen manchmal schwer fällt, meine eigene Bedürfnisse nach hinten zu stellen.


 8. Zusammenhang zwischen Humanismus und Aufklärung:

     Für mich ist Humanismus eine natürliche Konsequenz aus der Aufklärung. Humanismus stellt den Einzelnen und seine Freiheit und Würde ins Zentrum - und das bedeutet natürlich eines jeden Einzelnen. Das heißt es geht immer auch um die Freiheit und Würde der anderen.


 9. Praktischer Humanismus:

     Ja, ich finde es sehr wichtig, gerade im muslimischen Kulturkreis für ein humanistisches Weltbild zu werben - das kann auch durch provokante Aktionen möglich sein, die zum Nachdenken anregen.

 

10. Selbstbestimmtes Leben und selbstbestimmtes Sterben:

      Für mich hat jeder Mensch die Freiheit,s elbst zu entscheiden, wie und auch wie lange er unter welchen Bedingugen leben will.


11. Was schadet der Gesellschaft aktuell am meisten?

      Aus meiner Sicht ist das "wir und die" das größte Problem - Menschen ordnen sich und andere schlicht Kategorien zu und denken, dass die "anderen" weniger Rechte haben - Gläubige/Ungläubige, Frauen/Männer, Einheimisch/Fremd …


12. Stille bzw. unbekannte Humanisten:

      Es gibt viele Humanisten im muslimischen Kulturkries, die sich nicht  zu outen trauen, weil es für sie zu gefährlich ist.


13. Humanismus und Spiritualität:

     Ich glaube schon, das Menschen Gemeinschaftsrituale brauchen und es dafür auch feierliche Orte geben soll, eine Art Ritualort ohne Glauben. Das Leben ist ja schön genug, dass man Liebe, Geburt und auch Tod  auch ohne den Glauben an eine höhere dahinterstehende Macht feiern kann.


14. Zukunft und Wünsche:

      Ich wünsche mir eine humanistische Revolution im nahen und mittleren Osten!

                                                                     .......................


Antworten © Amed Shewan  

„Epikurs Garten“ – „Who is Hu“ – Gesichter gegenwärtiger Humanisten © Evelin Frerk         


Die Reproduktion und das Kopieren sind nicht zulässig. Auch Auszüge bedürfen der schriftlichen Genehmigung.

Fragen entwickelt und gestellt von Evelin Frerk und Laura Kase.
Mit Dank an die Philosophinnen Dr. Fiona Lorenz und Dr. Ursula Menzer.

Berlin, Hamburg, Trier, 2010-2012

 

 

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