Prof. Dr. Herzberg

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Wissenswertes

Prof. Dr.  Rolf Dietrich Herzberg, Jurist       *1938    Fotografie©evelin Frerk.

 

Prof. Dr. Herzburg wurde von der Giordano-Bruno-Stiftung in den Beirat berufen. 

https://www.giordano-bruno-stiftung.de/inhalt/herzberg-rolf-dietrich

Übernahme der Vita von Rolf Dietrich Herzberg mit Dank an die Giordano-Bruno-Stiftung.

"Herzberg wurde 1938 in Wuppertal geboren und besuchte dort die Schule bis zum Abitur 1957. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln. Die beiden Staats­prüfungen legte er 1962 und 1966 ab. Nach der Promotion zum Dr. jur. (1966) betreute sein Doktorvater Dietrich Oehler auch die Habilitation (1971). Die Ruhr-Universität Bochum berief ihn 1974 auf den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Allgemeine Rechtstheorie. Seit 2003 ist er emeritiert.

Herzberg hat sich in wissenschaftlichen Arbeiten vor allem mit dem Strafrecht befasst und dort den Schwerpunkt in dem Bereich gefunden, den der "Allgemeine Teil" des Strafgesetz­buchs regelt: Unterlassungsdelikte, Täterschaft und Teilnahme, Vorsatz – Irrtum – Fahrläs­sigkeit, Versuch und Rücktritt, Rechtfertigung und Strafausschluss. Dazu gehören auch Rechtsprobleme des volkstümlichen Interesses und philosophische Fragen: Beginn des Menschseins, Mitwirkung am Suizid, Notstand und Folter, Genitalbeschneidung, Menschen­würde, Willensfreiheit und Schuld. Er begründet, oft gegen herrschende Lehren, eigene Ansichten wie zum Beispiel, dass auch strafrechtlich das Mensch-Sein erst mit Vollendung der Geburt beginne; dass man rechtlich differenzieren müsse zwischen der Folter und ihrer bloßen Androhung und auch die Folter selbst nicht ausnahmslos verboten sei; dass die ge­setzliche Erlaubnis der Knabenbeschneidung (§ 1631 d BGB) mit dem Grundgesetz unver­einbar und darum ungültig sei; dass strafrechtliche Schuld nicht die Willensfreiheit, sondern gerade umgekehrt die Unfreiheit des Willens voraussetzt. Was wir tun und lassen, sagt Herz­berg, das folgt mit unerbittlicher Notwendigkeit aus unserem Charakter und dem jeweils stärksten Motiv; trotzdem und gerade deshalb sind wir für unser Verhalten verantwortlich und können somit Lob und Belohnung für gute sowie Tadel und Bestrafung für böse Taten ver­dienen. – Neben dem Strafrecht sind in Herzbergs Lehr- und Forschungstätigkeit Schwer­punkte das Recht des Arbeitsschutzes und der Unfallverhütung sowie Probleme der Juris­ten­ausbildung."

 

Veröffentlichungen (Auswahl):

Mittelbare Täterschaft bei rechtmäßig oder unverboten handelndem Werkzeug, Berlin 1967.
Die Unterlassung im Strafrecht und das Garantenprinzip, Berlin 1972.
Täterschaft und Teilnahme, München 1977.
Strafrechtliche Verantwortung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Schriftenreihe für Arbeitsschutz, Dortmund 1978.
Die Verantwortung für Arbeitsschutz und Unfallverhütung im Betrieb, Köln 1984.
Kommentierung der §§ 22–24 StGB, in: Wolfgang Joecks/Klaus Miebach (Hrsg.), Münchener Kommentar zum Straf­gesetz­buch, Band 1, München 2003.
Willensunfreiheit und Schuldvorwurf, Tübingen 2010.
Eigenhändige Delikte, in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft (ZStW) 82 (1970), 896–947.
Ne bis in idem – Zur Sperrwirkung des rechtskräftigen Straf­urteils, in: Juristische Schulung (JuS) 1972,  113–120.
Aberratio ictus und abweichender Tatverlauf, in: Zeitschrift für die gesamte Straf­rechts­­­wissen­schaft (ZStW) 85 (1973), 867–892.
Die Problematik der »besonderen persönlichen Merkmale« im Strafrecht, in: Zeit­schrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft (ZStW) 88 (1976), 68–116.
Das Wahndelikt in der Rechtsprechung des BGH, in: Juristische Schulung (JuS) 1980, 469–480.
Der Fall Hackethal: Strafbare Tötung auf Verlangen?, in: Neue Juristische Wochen­schrift (NJW) 1986, 1635–1644.
Die Abgrenzung von Vorsatz und bewußter Fahrlässigkeit – ein Problem des objekti­ven Tatbe­stan­des, in: Juristische Schulung (JuS) 1986, 249–262.
Straffreie Beteiligung am Suizid und gerechtfertigte Tötung auf Verlangen, in: Juris­ten­zei­tung (JZ) 1988, 182–189.
Aids: Herausforderung und Prüfstein des Strafrechts, in: Juristenzeitung (JZ) 1989, 470–482.
Kritik der teleologischen Gesetzesauslegung, in: Neue Juristische Wochen­schrift (NJW) 1990, 2525–2530.
Grundprobleme des Rücktritts vom Versuch und Überlegungen de lege ferenda, in: Neue Juristische Wochen­schrift (NJW) 1991, 1633–1642.
Gedanken zur actio libera in causa: Straffreie Deliktsvorbereitung als »Begehung der Tat« (§§ 16, 20, 34 StGB)?, in: Manfred Seebode (Hrsg.), Festschrift für Günter Spen­­del, Berlin 1992, 203–236.
Tatbestands- oder Verbotsirrtum?, in: Goltdammer‘s Archiv für Strafrecht (GA) 1993, 439–459.
Sterbehilfe als gerechtfertigte Tötung im Notstand?, in: Neue Juristische Wochen­schrift (NJW) 1996, 3043–3049.
Die mündliche Prüfung im ersten Examen, in: Rolf Dietrich Herzberg/Knut Ipsen/ Klaus Schrei­ber (Hrsg.), Effizient studieren: Rechtswissenschaften, Wiesbaden 1999, 285–309.
Der Vorsatz als »Schuldform«, als »aliud« zur Fahrlässigkeit und als »Wissen und Wollen«?, in: Claus-Wilhelm Canaris/Andreas Heldrich/Klaus J. Hopt/Claus Roxin/ Karsten Schmidt/Gunter Widmaier, 50 Jahre Bundesgerichtshof, Festgabe aus der Wis­senschaft, Band 4, München 2000, 51–82.
Der Beginn des Menschseins im Strafrecht: Die Vollendung der Geburt, in: Juristen­zei­tung (JZ) 2001, 1106–1113 (zusammen mit Annika Herzberg).
Der Versuch, die Straftat durch einen anderen zu begehen, in: Bernd Schüne­mann/ Hans Achenbach/Wilfried Bottke/Bernhard Haffke/Hans-Joachim Rudolphi (Hrsg.), Fest­­­schrift für Claus Roxin, Berlin 2001, 749–772.
Der Anfang der Geburt als Ende der »Schwangerschaft« – das »Ungeborene« als Mensch und Person?, in: Klaus Bernsmann/Klaus Ulsenheimer (Hrsg.), Bochumer Beiträge zu aktuellen Strafrechtsthemen – Vorträge anlässlich des Symposions zum 70. Geburtstag von Gerd Geilen am 12./13.10.2001, Köln 2003, 39–62.
Die Differenz zwischen Unterlassen und Handeln im Strafrecht, in: Stefan Machura/   Ste­fan Ulbrich (Hrsg.), Recht – Gesellschaft – Kom­munikation, Festschrift für Klaus F. Röhl, Baden-Baden 2003, 270–286.
Vorsätzliche und fahrlässige Tötung bei ernstlichem Sterbebegehren des Opfers, in: Neue Zeitschrift für Strafrecht (NStZ) 2004, 1–9.
Die ratio legis als Schlüssel zum Gesetzesverständnis? – Eine Skizze und Kritik der über­kom­­menen Auslegungsmethodik, in: Juristische Schulung (JuS) 2005, 1–8.
Folter und Menschenwürde, in: Juristenzeitung (JZ) 2005, 321–328.
Wann ist die Strafbarkeit »gesetzlich bestimmt« (Art. 103 Abs. 2 GG)?, in: Roland Hefendehl (Hrsg.), Empirische und dogmatische Fundamente, kriminalpolitischer Impetus, Symposium für Bernd Schünemann zum 60. Geburtstag, Köln 2005, 31–69.
Gedanken zur finalen Handlungslehre, in: Michael Tsambikakis (Hrsg.), Freiheit, Gesetz und Toleranz. Symposium zum 75. Geburtstag von Prof. Dr. Karl Heinz Ku­nert, Baden-Baden 2006, 9–38.
Fahrlässigkeit, Unrechtseinsicht und Verbotsirrtum, in: Gerhard Dannecker/Win­rich Lan­ger/Otfried Ranft/Roland Schmitz/Joerg Brammsen (Hrsg.), Festschrift für Harro  Otto, Köln 2007, 265–285.
»Meine Mutter hab’ ich umgebracht, Mein Kind hab’ ich ertränkt« – Das Urteil über Mar­­garetes Schuld im Wandel des Zeitgeistes und der Gesetzgebung (§ 217 StGB a.F.), in: Juristenzeitung (JZ) 2008, 721–723.
Zum Verpflichtungsgehalt des Art. 1 Abs. 1 GG, in: Hermann Butzer/Markus Kalten­born/Wolfgang Meyer (Hrsg.), Festschrift für Friedrich E. Schnapp, Berlin 2008, 103–123.
Setzt strafrechtliche Schuld ein Vermeidenkönnen voraus?, in: Zeitschrift für die ge­sam­te Strafrechtswissenschaft (ZStW) 124 (2012), 12–  63.
Ist unser Schuldstrafrecht noch zeitgemäß?, in: Georg Freund/Uwe Murmann/René Bloy/Walter Perron (Hrsg.), Grundlagen und Dogmatik des gesamten Strafrechtssys­tems,  Fest­schrift für Wolfgang Frisch, Berlin 2013, 95–113.
Kausalgesetz und strafrechtliche Schuld, in: Martin Heger/Brigitte Kelker/Edward Schramm (Hrsg.), Festschrift für Kris­tian Kühl, München 2014, 259–280.
Ethische und rechtliche Aspekte der Genitalbeschneidung, in: Matthias Franz (Hrsg.), Die Beschneidung von Jungen – Ein trauriges Vermächtnis, Göttingen 2014, 267–318.
Freiheit als Deliktsvoraussetzung, in: Roland Hefendehl/Tatjana Hörnle/Luís Greco (Hrsg.), Streitbare Strafrechtswissenschaft, Festschrift für Bernd Schünemann, Berlin/ Boston 2014, 391–405.
Abwägungsfeste Rechte und Verbote? Überlegungen zu den Rechtsbegriffen "Folter" und "Würde des Menschen", in: Peter-Alexis Albrecht/Stefan Kirsch/Ulfrid Neumann/ Stefan Sinner (Hrsg.), Festschrift für Walter Kargl, Berlin 2015, 181–200.
Der strafrechtliche Schuldbegriff im 21. Jahrhundert, in: Goltdammer’s Archiv für Straf­recht (GA) 2015, 250–259.
Ist die Beschneidungserlaubnis (§ 1631 d BGB) mit dem Grundgesetz vereinbar?, in: Juristenzeitung (JZ) 2016.

Berlin, 2017-10eF-

 

 

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