Lorenz Bölter

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Wissenswertes

Lorenz Bölter          Fotografie © evelinFrerk

A) zur Person

Lorenz Bölter studiert Musikmanagement in Berlin. Auf dem 3. Bundesparteitag der Partei der Humanisten wurde er in den Vorstand des Landesverbands Berlin der PdH gewählt.

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B) Lorenz Bölter - Elikurs Garten

Lorenz Bölter ... ich war schon „evolutionärer Humanist“ bevor ich wusste, dass sich das so nannte...

1. Selbstdefinition:

Ich selbst habe mir die Bezeichnung "evolutionärer Humanist" nicht gegeben. Viel eher ist es so, dass ich diese Weltanschauung bereits vertreten habe, bevor ich wusste, dass sich das so nennt. Was mich an dieser Weltanschauung fasziniert und mir ermöglicht, mich damit zu identifizieren, ist die Bereitschaft ihrer Anhänger, sie regelmäßig zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
 

2. Entscheidende Erfahrungen:
 
Es gab für mich keine einschneidenden Ereignisse, die meine Weltanschauung mit einem Schlag festlegten. Es war meine Erziehung, die Liebe meiner Familie, mein soziales Umfeld, meine eigenen Entscheidungen und meine Entwicklung,
die mich zu dem Weltbild brachten, das ich heute habe.  
 
 
3. Elitär: 
        
Ich denke, dass das Ableiten einer wertephilosophisch begründeten
Ethik und der konsequenten Umsetzung der Menschenrechte nicht als elitär zu bezeichnen ist.
Der Versuch, die Interessen aller Spezien möglichst fair auszugleichen, sollte ein erstrebenswertes Ziel im Denkenund Handeln
einer Gesellschaft und des Einzelnen ausmachen.

 


4. Religiöse Zwänge:

Ich selbst war nie mit religiösen Zwängen konfrontiert. Doch wer verfolgt, unter welchen religiösen Zwängen Menschen in anderen Teilen der Welt aufgrund ihrer Weltanschauung leiden und welche Konsequenzen sie zu erwarten haben, findet unter anderem dort stetige Motivation für das aktive Miteinbringen in den Prozess der globalen Aufklärung. 


5. Konkrete Eigenerfahrungen mit Religiosität:

Nein, das Konzept des Glaubens konnte mich nie überzeugen. Ich stand wie bereits erwähnt nie unter religiösen Zwängen, hatte aber auch nie das Bedürfnis, meine Denkhaltung freiwillig so einzuengen.

 

6. Glaubensfreie Alternativen:

Zu religiösen Ritualen brauche ich kein glaubensfreies Pendant. Solange mit diesen Ritualen nicht in die Freiheiten und Rechte anderer Individuen eingegriffen wird, bin ich damit völlig d'accord. Immerhin: Vermutlich bin ich am Mittagstisch schon bei der zweiten Portion, während andere erst ihr Tischgebet beendet haben.


7. Freiheit, eigene Wünsche und Gedanken zu leben:

Ja, für mich ist diese Freiheit vorhanden. Den eigenen Lebensentwurf so nah wie gewünscht verfolgen zu können, hängt leider immer noch viel zu sehr davon ab, in welche Region/Kultur/Gesellschaft man das Glück oder Unglück hat, hineingeboren zu werden.


8. Zusammenhang zwischen Humanismus und Aufklärung:

Die Ideale der Aufklärung waren notwendig, um rückschrittliche Denkweisen zu durchbrechen und sich den Menschen bzw. das Individuum überhaupt erst (wieder) als Zentrum des Denkens und Handelns vorstellen zu können.


9. Praktischer Humanismus:

Ich halte es nicht für sinnvoll, unter dem Label 'Evolutionärer Humanismus' in persönlichen Gesprächen meine Weltanschauung zu erläutern. Lieber möchte ich meinem Gesprächspartner erklären, wie ich auf meine Ansichten zu bestimmten Themen gekommen bin und inwiefern sich meine Betrachtungen der Dinge als sinnvoll oder unsinnig erweisen bzw. erwiesen haben. Wenn diese Herleitung meiner Sichtweise bei meinem Gegenüber ein Gefühl der Schlüssigkeit hinterlässt, wird dieser sich vermutlich eher mit dem Konzept dahinter beschäftigen wollen, als wenn ich in der Öffentlichkeit dafür werbe.     


10. Selbstbestimmtes Leben und selbstbestimmtes Sterben:

Ein selbstbestimmtes Leben bedeutet, den eigenen Lebensentwurf ohne Eingriffe auf oder durch andere umsetzen und stetig anpassen zu können. Selbstbestimmtes Sterben bedeutet exakt das gleiche zum Zeitpunkt des gewünschten Todes. Für beides hat der Staat die entsprechendes Rahmenbedingungen zu schaffen.


11. Was schadet der Gesellschaft aktuell am meisten?

Die Tendenz, auf neue und unbekannte Situationen mit rückschrittlichen Denkmustern zu reagieren und sich damit in vermeintliche Sicherheit zu retten. Wenn die Historie der Menschheit eines doch relativ konstant zeigt, dann folgendes: Fortschritt bringt den Menschen Sicherheit.


12. Stille bzw. unbekannte Humanisten:


Ich denke, dass es viele Menschen gibt, die unsere Ideale und Vorstellungen vertreten, ohne sich der Bezeichnung 'Humanist' für solche Ansichten bewusst zu sein. Sie sind still, sie sind unbekannt, aber sie halten ebenfalls unsere Ideale hoch! Ein Dialog zwischen diesen Vertretern und humanistischen Organisationen ist sehr wünschenswert und früher oder später auch wahrscheinlich. Sobald er stattfindet, werden aus stillen, unbekannten Humanisten vermutlich auch aktive, bekannte Humanisten. 


13. Humanismus und Spiritualität:

Inwiefern jemand Spiritualität für sein Leben braucht, liegt bei jedem selbst. 


14. Zukunft und Wünsche:

Ich denke, dass der Humanismus es schaffen muss, der Gesellschaft klarzumachen, dass aus ihm Forderungen abgeleitet werden, mit denen sich bereits sehr viele Mitmenschen identifizieren können und sogar wollen. Er sollte sich nicht einfach in die Liste der Weltanschauungen einreihen. Sofern dies gelingt und der Humanismus in der öffentlichen Debatte für eine faire Gesellschaft ankommt, besteht für die Menschheit die Chance auf einen Wandel hin zu ethisch handelnden, gleichberechtigenden, fortschrittlichen, liberalen und sich selbst stetig kritisch hinterfragenden und überarbeitenden Gesellschaften.


Antworten © Lorenz Bölter
„Epikurs Garten“ – „Who is Hu“ – Gesichter gegenwärtiger Humanisten © Evelin Frerk

Die Reproduktion und das Kopieren sind nicht zulässig. Auch Auszüge bedürfen der schriftlichen Genehmigung.

Fragen entwickelt und gestellt von Evelin Frerk und Laura Kase.
Mit Dank an Dr. Fiona Lorenz und Dr. Ursula Menzer.

Berlin,  2010/2016

 

 

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